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Sonnenbeobachtung mit bloßem Auge - Ein Erfahrungsbericht

Manfred Holl (15.07.2001)

Die Beobachtung von Sonnenflecken mit bloßem Auge ist seit 1984 systematisches Arbeitsgebiet innerhalb der VdS-Fachgruppe Sonne. Obwohl es sich hierbei um ein im Grunde recht simples Programm handelt - man braucht als Beobachter nur feststellen, ob man einen oder mehrere Flecken mit bloßem Auge sieht oder nicht, dazu Datum und Uhrzeit notieren - sind hier einige Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, damit man nicht das Hobby Astronomie aufgrund von Augenschäden ad acta legen muss. Dass man nie ohne Schutzmaßnahmen in die Sonne blicken darf, versteht sich dabei eigentlich von selbst. In (1) wurden hierzu geeignete Filter empfohlen.

Im folgenden möchte ich einmal meine persönlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Sonnenbeobachtung mit bloßem Auge wiedergeben.

1. Beobachtungstechnik
In (1) wird hauptsächlich die Benutzung von Schweißergläsern unterschiedlicher Stärke sowie so genannte Folienfilter empfohlen, was auch vollkommen richtig ist. Ich persönlich habe jedoch keine Schweißergläser, die das Optimum an Schutz darstellen, zur Verfügung, sondern über viele Jahre hinweg entweder verschiedene Folienfilter bzw. Okularsonnenfilter eingesetzt.

Die Folienfilter habe ich mir entweder aus silber- oder goldbeschichteter Rettungsfolie selbst zusammengebaut, dabei aber eine sehr stark streuende Qualität feststellen müssen. Gerade die in eine enge Verpackung gequetschte Rettungsfolie ist meiner Erfahrung nach an ungeeignetsten, da an den Faltkanten teilweise mikrofeine Stückchen abblättern, durch die beim Beobachten Sonnenlicht hindurchfällt. Dadurch vermindert sich der Kontrast erheblich und das Erkennen eines Flecks mit bloßem Auge wird vermindert, gerade auch dann, wenn die Fleckengröße am Limit der eigenen Augenschärfe liegt und man den Fleck so eben noch mit dem Auge halten könnte.

Später habe ich dann einen Okularfilter, den man bei der teleskopischen Beobachtung auf keinen Fall einsetzen darf, benutzt. Diese Methode ist recht einfach, den Filter kann man in eine Filmdose packen und ständig mit sich herumtragen (man braucht nur noch Papier und Bleistift, um Datum und Uhrzeit zu notieren, oder nimmt hierfür einen vielfach schon vorhandenen Organizer oder Handheld).

Zur 1999er Sonnenfinsternis tauchten dann verstärkt die bekannten Sofibrillen auf, von denen ich mir gleich mehrere zugelegt habe. Schon bald kam ich auf die Idee, diese Brillen auch für die ganz normale A-Beobachtung einzusetzen. Dabei erschien mir bis heute die ICS-Brille am geeignetsten, da sie ein angenehm orangefarbenes Sonnenbild mittlerer Helligkeit zeigt, im Gegensatz etwa zur KOSMOS-Brille, die mir viel zu wenig filtert. Im Sonnenforum (www.sonnedeveloper.de) habe ich meine Erfahrungen einmal wiedergegeben. Daraufhin schrieb ein Beobachter, dass er mit der ICS-Brille aufgrund des geringeren Kontrastes eher schlechtere Erfahrungen gemacht hat. Ich denke, das hat auch mit der Empfindlichkeit und der Schärfe der eigenen Augen zu tun, darauf werde ich aber später noch eingehen.

Für meine täglichen Beobachtungen setze ich wechselweise entweder Okularsonnenfilter (einen von Vixen, der ein etwas helleres Bild liefert, oder einen anderen von Pentax, der stärker filtert) oder die ICS-Sofibrille ein und zwar den ersten, wenn ich unterwegs bin und den zweiten, wenn ich von zu Hause aus beobachte.

Logisch natürlich, dass die A-Beobachtung IMMER vor der mit dem Teleskop erfolgen MUSS, um damit psychologische Effekte einzuschränken, etwa, wenn man einen großen Fleck im Teleskop sieht und meint, dass der ja eigentlich auch mit bloßem Auge sichtbar sein müsste, auch wenn man ihn nicht erkennt. Hierdurch würden die Beobachtungen verfälscht werden. Allerdings: Ganz auszuschließen sind solche Effekte nie, da man etwa aus der Erfahrung vom Vortag weiß, dass da ein Fleck mit bloßem Auge sichtbar war, wodurch man dann eher bereit ist, einen Fleck zu "sehen".

2. Beobachtungserfahrung
Die Erkennbarkeit von Flecken mit bloßem Auge ist nicht nur von der Qualität des Himmels abhängig, sondern, wie im vorigen Kapitel schon angedeutet, auch von dem verwendeten Filter und vor allem der eigenen Augenschärfe. Ähnlich wie bei der H-alpha-Beobachtung tragen die Beobachtungsbedingungen sehr zu einem Erkennen der Flecken bei. Während bei der H-alpha-Beobachtung die Strukturen auf der Sonne besser erkennbar sind, je blauer der Himmel ist, so ist dies auch bei der A-Beobachtung mit Filter der Fall. Durchziehende Wolkenfelder sind dabei kaum störend, wenn sich zwischen ihnen nicht ein leicht milchiger Himmel bildet.

Wenn allerdings schon kein scharfer Sonnenrand durch den verwendeten Filter mehr erkennbar ist, kann man auch nicht erwarten, einen Fleck mit bloßem Auge zu sehen, da dann der Kontrast ganz erheblich vermindert ist. Dabei spielt es dann keine Rolle mehr, ob man einen starken oder weniger starken Filter vor die Augen setzt. Ist der Himmel syphig, kann man eine A-Beobachtung schlicht vergessen. Andererseits kann ein zu wenig Licht abschwächender Filter bei vollkommen blauem Himmel den Fleck wieder überstrahlen, den Kontrast also ebenfalls herabsetzen. Jeder Beobachter muss hier seine individuelle Filterkombination finden.

2.1 Augenfehler und Augenschärfe
Weitere, nicht zu unterschätzende Faktoren sind der Augenfehler und die Augenschärfe. Wie ebenfalls im Sonnenforum diskutiert, ist es anscheinend so, dass Beobachter mit einem +Dioptrienausgleich, die also weitsichtig sind, mehr Flecken mit bloßem Auge sehen, als solche mit -Dioptrienausgleich, wie bei mir. Allerdings scheint hier die Sehschärfe noch viel entscheidender zu sein, als der Augenfehler, jedenfalls, was die Beobachtung ohne Sehhilfe angeht. In dem Fall kann offenbar auch ein kurzsichtiger Beobachter mit großer Augenschärfe eher Flecken mit bloßem Auge sehen, als ein Weitsichtiger. Bei Beobachtungen mit einer Brille sieht das aber schon wieder ganz anders aus! (2)

Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist nun, wie sich dieser offenbar richtige Befund auf die Aussagekraft der A-Beobachtungen generell auswirkt. Wenn genügend Beobachter mit + und - Ausgleich und "Normalsichtige", d.h. Beobachter ohne Sehhilfe dabei sind, müssten sich die Ergebnisse um einen Mittelwert herum einpendeln, sodass "gute" und "schlechte" Beobachtungen sich neutralisieren.

Ich selbst beobachte übrigens immer durch eine Brille, egal, ob der Okularfilter oder die Sofibrille eingesetzt werden.

Einer der Grundgedanken der A-Netz-Beobachtungen war auch, festzustellen, wie sicher historische Beobachtungen von Flecken mit bloßem Auge sind. Wenn man sinnvoller Weise davon ausgeht, dass die damaligen Beobachter keine Brillen trugen, möglicher Weise aber Augenfehler hatten, die ihnen nicht bekannt waren, kann dieser Umstand direkte Folgen auf die Wahrscheinlichkeit gesicherter historischer Beobachtungen haben. Mit anderen Worten: Nur bei Normalsichtigen und weitsichtigen Beobachtern dürften die Aufzeichnungen als gesichert anzusehen sein. Aber: Wer weiß das schon bei antiken oder vorantiken, chinesischen oder koreanischen Beobachtern und den teilweise nur sehr schwer verständlichen und interpretierungsbedürftigen Quellen?

Allerdings will ich hier keineswegs dazu aufrufen, eine Trennung bei den Beobachtern herbeizuführen, die bisherige Auswertepraxis, Mittelwerte zu bilden, kommt sicher schon nah an die Realität heran.

Zur Augenschärfe beschreibt H.U.Keller in (1) eine Auswertung, wonach gemäss einer Untersuchung der A-Netz-Daten im Vergleich mit Fleckenzeichnungen der Eidgenössischen Sternwarte Zürich Flecken mindestens einen Penumbradurchmesser von 41" (30.000 km) und einen Umbradurchmesser von 15" (11.000 km) haben müssen, um von Beobachtern mit durchschnittlicher Sehschärfe überhaupt wahrgenommen werden zu können. Dies ist natürlich ein Durchschnittswert, bei dem es deutliche Abweichungen nach oben und nach unten geben wird!

Ganz gleich, ob man nun viele Flecken mit bloßem Auge, oder nur wenige sieht, es ist auf jeden Fall einspannendes Arbeitsgebiet!


(1) Klaus Reinsch et al.: Die Sonne beobachten, Heidelberg (1999)
(2) Sonnenforum: www.sonneonline.org

Manfred Holl, Friedrich-Ebert-Damm 12 a, 22049 Hamburg, eMail: m.holl@t-online.de
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