Thomas Kaltenbrunner 14.02.2001
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abstract: This article is about the solar middle-edge-variation. The author succeeded in determining the intensity-variation of the solar disk with an insecurity <1% and a resolution, which is better than 2. Theoretically, if the seeing is excellent, it should even be possible to take measurements with 0,8 resolution! Therefore a self-created device called LIMES II is brought into the projected solar disk, which is moving across it because of the natural earth-rotation. LIMES II is easy to build and works together with a simple personal computer: measuring the period of time it takes to charge a conductor by a Light Dependent Resistance, it is possible to reckon the relative intensity of each point on the solar disk. Thus one can easily proof the decline of brightness to the disks edge, and, using several bandpass-filters, one can even proof that this decline isnt as strong in long wavelength as in shorter ones. AAA-Section: 06.16.2 Keyword: sun: photospere |
Wie einigen der Leser bekannt sein dürfte, dürfen (bzw. müssen, je nach Mentalität) Schüler in der bayerischen gymnasialen Oberstufe in einem ihrer beiden Leistungskurse eine sogenannte Facharbeit anfertigen. Für mich standen somit Mathematik und Physik zur Auswahl, wobei ich mich auf Grund meiner astronomischen Vorliebe für die Physik entschied. So präsentierten mir der Leistungskursleiter, Studiendirektor Torlach, gemeinsam mit Herrn Dr. Hechenbichler (der Astronomiefachkraft an unserer Schule) einen Themenvorschlag, welcher die Sonne als Forschungsobjekt vorsieht: die quantitative Erfassung der Mitte-Rand-Variation und die Vermessung von einzelnen Sonnenflecken. Angesichts der Tatsache, dass wir in dem 11- bzw. 22-jährigen Aktivitätszyklus der Sonne wieder auf ein Maximum zusteuern eine sicher sehr reizvolle Aufgabe, die mir sehr zusagte und die ich auch gleich Ende Februar in Angriff nahm.. Außerdem soll versucht werden, die Wellenlängenabhängigkeit dieses Phänomens nachzuweisen.
1. Methode
a) Grundsätzliche Vorgehensweise
Die Helligkeit wird mittels der Ladezeit eines Kondensators bestimmt, welcher über einen lichtempfindlichen Widerstand geladen wird. Um die Wellenlängenabhängigkeit nachzuweisen, kann vor der Elektronik ein Bandpassfilter befestigt werden, das nur einen bestimmten Spektralbereich passieren lässt. Zur Projektion des Lichts der Sonnenscheibe auf den Sensor dient ein Siberia-150-Teleskop, bei dem es sich um einen russischen Reflektor nach Newton-Bauart mit einer freien Öffnung von 150mm und einer Brennweite von 1200mm handelt. Die Sonnenscheibe bewegt sich dann durch die natürliche Erddrehung über den Lichtempfänger hinweg. So kann binnen guter zwei Minuten ein Helligkeitsquerschnitt der Sonne gewonnen werden, dessen Profil es anschließend auszuwerten gilt.
b) Aufbau der Elektronik
Als Vorlage für die Sensorelektronik dient ein Schaltplan aus [1]. Um ihn für diesen speziellen Zweck zu optimieren, wurde er - wie in Abb. 1.1 wiedergegeben - modifiziert. Das Prinzip dieses Sensors beruht auf einer indirekten Bestimmung des Widerstandswertes eines Fotowiderstands (LDR): zunächst wird die gegebene Schaltung am neunpoligen RS232-Port eines Personalcomputers angeschlossen. Dieser kann mit Hilfe einer ebenfalls in [1] abgedruckten Turbo-Pascal Routine an CTS (Pol 8) die Ladezeit des Kondensators messen, dessen eine Platte geerdet ist (Pol 5, GND) und dessen andere über den Widerstand von DTR (Pol 4) aus geladen wird. Aus der Ladezeit kann dann auf den Widerstandswert und somit auf die Lichtintensität zurück geschlossen werden. Hier ist dem Widerstand noch ein Kondensator mit 20mF Kapazität parallel geschaltet, der besonders am dunklen Sonnenrand zusätzliche Ladung liefert. Je weniger Licht auf den LDR fällt, um so größer wird dessen Widerstand. Dann fließt mehr Ladung über den parallel geschalteten 20mF-Kondensator und die Ladezeit verkürzt sich. Je heller es also ist, desto länger die Ladezeit, je dunkler, desto kürzer.
c) Sensor LIMES II
Abb. 1.2a und b zeigen das zugehörige den Sensorgehäuse in Drauf- und Seitenansicht.
Der Lichteintritt erfolgt durch die entsprechenden Bandpassfilter, welche in eine aufmontierte Okularhülse (Abb. 1.2, 1) geschraubt werden können. Anschließend wird das Licht durch ein Prisma (2) auf den senkrecht zur Eintrittsrichtung liegenden LDR samt Elektronik (3) gelenkt, der dann entsprechend der Helligkeit einen größeren oder kleineren Widerstandswert annimmt. Das Prisma des Glastyps BK7 wurde von der Firma Meade-Instruments Europe kostenlos zur Verfügung gestellt und hat laut Schott Glaswerke bei der Eichwellenlänge einen Brechungsindex von n=1,51680. Um das Sonnenbild auf den LDR fokussieren zu können, ist eine kleine Projektionsfläche vorhanden, die aus einem rückseitig weiß lackierten Glasdiarähmchen (4) besteht. Hierzu muss man wissen, dass der optische Lichtweg im Glas des Prismas kürzer ist, als in der Luft über der Projektionsfläche. In guter Näherung für große Fernrohrbrennweiten gilt nach [2]: x = d/n, wenn x den optischen Lichtweg, d den mechanischen Lichtweg also die Glasdicke und n den Brechungsfaktor des Glases angibt. Da der mechanische Lichtweg in diesem Fall gleich der Kathetenlänge des Prismas von 3,2cm ist, folgt der optische Lichtweg zu x = 3,2cm/1,51680 = 2,1cm. Die anzubringende Projektionsfläche muss also von der Prismenoberkante 2,1cm Entfernung, oder entsprechend von der Bodenplatte einen Abstand von 3,2cm-2,1cm=1,1cm haben. Das restliche Gehäuse besteht hauptsächlich aus Holz, welches von Sekundenalleskleber dank der streulicht-mindernden mattschwarzen Acryl-Lackierung nahezu lichtdicht zusammengehalten wird. Da es sich bei diesem Sensor um eine Weiterentwicklung des weniger empfindlichen Vorgängers LIMES (Lichtmesssystem) handelt, wird er im Folgenden als LIMES II bezeichnet.
d) Eichung und Messbetrieb
Da weder die Spektralempfindlichkeit des LDR, noch seine Widerstand-Lichtintensitäts-Korrelation bekannt sind, empfiehlt sich die Durchführung einer praktischen Eichung. Zu diesem Zweck ermittelt man zunächst die von einer Zählschleife des Computerprogramms ausgegebene dimensionslose Ladezeit des Kondensators, welche im Folgenden kurz als Zählerwert bezeichnet wird. Bei Messungen an der Sonne ergeben sich unter Verwendung eines Pentium-Prozessors mit 100MHz Zählerwerte zwischen 1900 und 2600; man braucht die Elektronik also nur für diesen Bereich zu eichen.
Dies geschieht für jedes der Filter einzeln, indem sich LIMES II auf einer
kleinen Zahnradbahn einem 300Watt Halogenscheinwerfer nähert (Abb. 2). Eine
Untersetzung von 1:6075 ermöglicht der aus Legotechnik konstruierten Bahn eine
Geschwindigkeit von rund 1,3mm/s. Da bei Licht die Intensität mit dem Quadrat
der Entfernung abnimmt, lässt sich jedem Punkt auf der Zahnradbahnstrecke eine
Helligkeit relativ zu jedem anderen zuordnen. Weist man nun einem Ort mit Scheinwerferabstand
x0 willkürlich einen Helligkeitswert von 1000 zu, so gilt bei konstanter
Geschwindigkeit des Sensors auf den Scheinwerfer zu, einer Fahrzeit T und einem
Endabstand x1 für die relative Helligkeit L eines Punktes zum Fahrzeitpunkt
t:
. Die aktuelle
Zeit t seit Eichbeginn wird von der Systemzeituhr automatisch erfasst und liefert
durch ihre Abhängigkeit vom aktuellen Scheinwerferabstand x die entsprechenden
theoretischen Helligkeitsverhältnisse, welche man gemeinsam mit den Zählerwerten
in Tabellenform in einer Datei abspeichert.
Zur Bestimmung des solaren Helligkeitsprofils sucht eine Routine des Computerprogramms
die zu jedem gemessenen Zählerwert der Sonnenscheibe gehörende relative Helligkeit
L aus der Eichdatei heraus. Der größten so erhaltenen Helligkeit L0
wird der Wert 100% zugewiesen; sie sollte in etwa in der Scheibenmitte der Sonne
liegen. Alle anderen prozentualen Helligkeiten H errechnen sich aus ihren relativen
Helligkeiten L schließlich zu:
. Auf diese
Weise kann man also jedem Punkt auf der Sonnenscheibe seine Helligkeit relativ
zur größten Helligkeit in der Sonnenmitte zuordnen.
mit t:= Zeit seit Beginn der Eichfahrt. Insgesamt ergibt sich daraus die relative Helligkeit eines Punktes zu
.
Man braucht also bei der Eichfahrt des Sensors lediglich den seinen Anfangs- und Endabstand zur Lichtquelle messen, jedem Zählerwert mittels der Systemzeituhr des Computers die entsprechende Zeit seit Eichbeginn zuweisen und kann daraus die relative Helligkeit L jedes Punktes ermitteln. Die so gefundenen Zusammenhänge zwischen den Zählerwerten und der relativen Helligkeit speichert man in Tabellenform in einer Datei.
Zur Bestimmung der Randabdunklung der Sonne sucht dann eine Routine des Computerprogramms
die zu jedem dort gemessenen Zählerwert gehörende relative Helligkeit L aus
der Eichdatei heraus. Der größten so erhaltenen Helligkeit L0 wird
der Wert 100% zugewiesen; er sollte in etwa in der Scheibenmitte der Sonne liegen.
Alle anderen prozentualen Helligkeiten errechnen sich aus der relativen Helligkeit
L schließlich zu:
. Auf diese
Weise kann man also jedem Punkt auf der Sonnenscheibe seine Helligkeit relativ
zur größten Helligkeit in der Sonnenmitte zuordnen.
2. Optimierung der Auflösung
Ein Ziel der Messung ist eine möglichst hohe räumliche Auflösung auf der Sonnenoberfläche. Das Helligkeitsprofil sollte folglich aus möglichst vielen Messwerten bestehen, was eine schnelle Abfolge der Einzelmessungen vorteilhaft erscheinen lässt.
Damit die Kondensatoren einerseits Zeit haben sich nach jeder Messung wieder vollständig zu entladen, andererseits die verlorene Erholungszeit auch nicht zu groß wird, wurde in mehreren Tests die optimale Pausendauer ermittelt. Dabei hat sich eine Ruheperiode von zwanzig Millisekunden als bester Kompromiss erwiesen. Um sie verwirklichen zu können, darf jede Einzelmessung nicht sofort auf die Festplatte geschrieben werden.
Einerseits ginge dadurch viel Zeit verloren, andererseits würde dies die Laufruhe
des Computers unnötig beeinträchtigen. Das heißt, dass bei konstanter Helligkeit
der Zählerwert dann Schwankungen im Rhythmus der Festplattenspeicherung unterworfen
wäre und somit Helligkeitsschwankungen vorgetäuscht würden. Statt dessen werden
die Einzelmessungen zunächst nur im Arbeitsspeicher abgelegt und erst nach Ende
der kompletten Messreihe auf der Festplatte gespeichert, womit pro Sekunde knapp
dreißig Einzelmessungen möglich sind. Dies ergibt bei einem scheinbaren Sonnendurchmesser
von 32 und einer mittleren Durchlaufzeit von 150s eine theoretisch erreichbare
Auflösung von überschlagsmäßig
, was bereits
deutlich unterhalb des theoretischen Auflösungsvermögens des zur Sonnenprojektion
verwendeten Teleskops von rund 0,8 liegt. Doch selbst dieser Wert liegt
noch zu tief, da die Luftunruhe Auflösungen unterhalb 1 verhindert [3].
Auch um diese Genauigkeit überhaupt noch ausschöpfen zu können muss der Lichtsensor
so abgeblendet werden, dass stets nur das Licht einer etwa 1 großen Region
einfällt. Damit ergibt sich ein maximaler Blendendurchmesser von rund
, wenn d
der Durchmesser des projizierten Sonnenbildes ist. Für ihn gilt nach [4] bei
einer Teleskopbrennweite von 1200mm und anschließender Projektion durch ein
25mm Okular auf eine in l=60cm Abstand angebrachte Projektionsfläche:
, also konkret
. Daraus
folgt für den maximalen Blendendurchmesser ein Wert von 0,14mm; als Blendenmaterial
dient mattscharz lackierte Aluminiumfolie. Ein Loch von rund 0,17mm Durchmesser
lässt sich mit einer feinen Nähnadel unter einem Mikroskop relativ einfach anfertigen
und nachmessen. Somit ist die maximal räumlich erreichbare Winkelauflösung von
1 nahezu gesichert, zumal die Luft ohnehin kaum diese Ruhe erreichen wird.
Wie bei der räumlichen Auflösung so ist auch bei der Erfassung der Helligkeit die Luft der größte Störfaktor: Das Licht wird in der Atmosphäre gestreut. Das dadurch entstehende Streulicht hellt dunkle Strukturen der Sonnenoberfläche auf und erzeugt einen fast unkontrollierbaren Unsicherheitsfaktor bei der Bestimmung der Helligkeit. [5]. Um diese Effekte möglichst gering zu halten sollte man die üblichen Tricks anwenden [6]: es empfiehlt sich in erster Linie, zu bestimmten Tageszeiten zu beobachten, die sich von Monat zu Monat leicht verschieben. So ist die Luft am frühen Morgen und späten Nachmittag, wenn sich eine konstante Temperatur eingestellt hat, besonders ruhig. Auch die trockene Luft in den Wintermonaten und bei Föhnwetterlagen kann einen erheblichen Vorteil darstellen; Allerdings sollte man möglichst windstille Augenblicke ausnutzen. Weitere Möglichkeiten der Resultatverbesserung bieten Tubusverlängerungen und regelmäßiges Abkühlen des Geräts.
In Bezug auf die Helligkeitsschwankungen durch Streuung sollte es sich ferner
als vorteilhaft erweisen, die Helligkeit einer größeren Fläche, anstatt eines
einzelnen Punktes zu vermessen. Daher wird die Lochblende um mehrere Löcher
senkrecht zur Laufrichtung der Sonne zu einer stabilen Loch-Schlitz-Blende erweitert.
Dies gewährleistet die Erhaltung des räumlichen Auflösungsvermögens auf der
einen und die Verbesserung der Helligkeitsgenauigkeit auf der anderen Seite.
Selbst wenn man eine exzellente Luftunruhe von nur 1 zu Grunde legt, kann
man dank der hohen Messfrequenz ohne räumlichen Auflösungsverlust bis zu 1/0,43,
also zwei bis drei aufeinanderfolgende Einzelmesswerte mitteln (Clusterbildung)
und so die Luftunruhe-Effekte weiter umgehen. Insgesamt dürfte sich so nach
Betrachtung der Eichkurve eine maximale Genauigkeit der Helligkeitswerte von
ergeben.
3. Ergebnisse
a) Analyse eines ungestörten Helligkeitsverlaufs
Zunächst sei eine Grafik für den Helligkeitsverlauf der Sonnenoberfläche bei 500nm Wellenlänge angeführt (Abb. 3):
In der oben stehenden Grafik ist auf der Rechtwertachse der lineare Abstand
des jeweiligen Messpunktes von der Sonnenmitte in scheinbaren Sonnenradien abgetragen,
auf der Hochwertachse die Helligkeit des betreffenden Punktes in Bezug auf die
Scheibenmitte. Dieser Darstellung liegt eine Messung zu Grunde, die beim Überstreichen
der Sonne die Helligkeit von 3.963 Einzelpunkten genommen hat. Anschließend
wurden im Computer zur Beseitigung etwaiger Luftunruhe-Effekte je drei Einzelmessungen
zu einem Cluster zusammengefügt, so dass letztlich 1321 Messpunkte vorliegen.
Dies entspricht einem durchschnittlichen räumlichen Auflösungsvermögen von
, was wiederum
die durch Sensorkonstruktion und Luftunruhe erzeugte Grenze von gut einer Bogensekunde
nahezu voll ausnützt.
In Bezug auf die Helligkeit ergeben sich die einzigen nachweisbaren Ungenauigkeiten aus der Eichung sobald sich ein identischer Zählerwert auf der Eichstrecke über mehrere Millimeterbruchteile hinzieht. Diesen Fehler kann man im Nachhinein gut nachvollziehen, indem man sich die laut Eichdatei möglichen Ober- und Untergrenzen der Helligkeit ausrechnen lässt. Für die vorliegende Kurve konnte so ein durchschnittlicher Ungenauigkeitsspielraum von 0,254% ermittelt werden, während einige wenige Einzelwerte Schwankungen um bis zu 0,8% nach oben zulassen. Insgesamt kann man sowohl von einer geglückten Optimierung der Helligkeitsauflösung, als auch der räumlichen Auflösung sprechen, zumal man immer bedenken sollte, dass das menschliche Auge bei visueller Beobachtung kaum in der Lage ist, die Randverdunklung überhaupt zu bemerken.
b) Wellenlängenabhängigkeit der Randverdunklung
Als Zweites sollte versucht werden, die Wellenlängenabhängigkeit der Randverdunklung
nachzuweisen. Die detailgetreue Erläuterung dieses Phänomens würde den Rahmen
der Facharbeit sprengen, so dass hier nur kurz auf das solare Schichtungsmodell
verwiesen sei. Wie bereits zu Beginn erwähnt wurde, blickt man zum Zentrum hin
nicht nur in hellere, sondern auch in heißere Regionen, während man zum Rand
hin eher kühleres Gas sieht. Da kühleres Gas nun aber auf Grund seines thermischen
Spektrums laut dem Wien-Verschiebungsgesetz (
) bevorzugt
Licht größerer Wellenlängen aussendet, fällt in diesen Spektralbereichen die
Helligkeit der Sonnenscheibe zum Rand hin auch nicht so stark ab. Um so stärker
erfolgt dafür der Abfall im kurzwelligen Bereich.
Die Messung (Abb. 4) enthält in Schwarz den Helligkeitsverlauf für 500nm, in weiß für 610nm. Es fällt auf, dass der Effekt bei der eigenen Messung zwar nachweisbar ist, aber im Vergleich mit Lehrbuchkurven nicht ganz so deutlich ausfällt. Ein erster Grund dafür liegt sicherlich in der Wegunsicherheit, der ein Amateur unterworfen ist: es wird nie gelingen, in zwei aufeinanderfolgenden Messungen exakt den selben Messweg auf der Sonnenscheibe zu durchlaufen. Dies bedingt aber je nach Äquatornähe der Bahn automatisch einen unterschiedlich starken Abfall der Helligkeit: je weiter der Messpfad vom scheinbaren Sonnenäquator entfernt verläuft und somit eine randnahe Bahn einnimmt, desto schneller fällt auch die Helligkeit ab. Je näher man sich andererseits entlang des Äquators bewegt, desto länger bleibt umgekehrt die Scheibenhelligkeit relativ hoch.
Außerdem kann man beide Filter nicht mit einer Messung hinter einem Spektroskop vergleichen, da sie nicht wie dieses in der Lage sind, diskrete Wellenlängen zu isolieren. Vielmehr gelangt durch die verwendeten Filter stets das Licht eines ganzen Wellenlängenbereichs in den Sensor, so dass mit einer weiteren Verwischung des Effekts zu rechnen ist. Hinzu kommt letztlich, dass die beiden Spektralbereiche faktisch ohne Lücke direkt ineinander übergehen. Dies führt natürlich erst recht zu einer Verminderung der zu erwartenden Unterschiede zwischen der 550nm und der 610nm-Kurve.
Alles in allem kann man folglich auch diese Messung, die aus insgesamt 1321 (500nm) bzw. 1390 (610nm) 3er-Clustern besteht, als gelungen, weil mit den theoretischen Vorhersagen in Einklang stehend, bezeichnen.
c) Helligkeitsmessung durch Sonnenflecken
Als Drittes und Letztes soll nun noch eine Grafik vorgestellt werden, deren Messpfad vier Sonnenflecken durchlaufen hat (Abb. 5). Seine Kurve zeigt eine maximale Ungenauigkeit von 0,6% bei einem Durchschnitt von 0,231% und ermöglicht zugleich die relativ exakte Rekonstruktion des Messverlaufs auf der Sonnenoberfläche. Ihr Weg ist auf der Sonnenscheibe in Form einer weißen Linie skizziert. Der erste Sonnenfleck-bedingte Einbruch der Helligkeitskurve erfolgt bei rund +0,23 Sonnenradien Abstand vom Zentrum und wird durch eine relativ unscheinbare Verdunklung in diesem Bereich ausgelöst, die man erst bei genauerem Hinsehen erkennt. Die drei folgenden Einbrüche liegen zwischen +0,6 und +0,75 Sonnenradien Entfernung vom Zentrum und sind deutlich sichtbar durch Penumbren bedingt.
In [7] findet man, dass bei einer solchen Penumbren-Durchquerung ein Helligkeitsabfall um zehn bis fünfzig auf rund neunzig bis fünfzig Prozent der normalen Photosphärenhelligkeit zu erwarten ist, wenn man das Streulicht herausrechnet [8]. Deshalb sei ausdrücklich noch einmal auf die Luftunruhe-Effekte verwiesen, die Helligkeitseinbrüche vor allem durch Streulicht sehr stark vermindern können. Eine entsprechende Berücksichtigung ist dem Amateur freilich nicht möglich, so dass man mit diesem Fehler leben muss. Bedenkt man ferner, dass der Sensor nicht für Sonnenflecken-Messungen konzipiert ist, da er auf Grund seiner langen Schlitzblende meist noch ein Stück fleckenfreie Oberfläche mitmisst und somit die Helligkeit der Fleckenregion weiter erhöht, so kann man auch die rund sechs Prozent großen Helligkeitseinbrüche recht gut mit der Theorie in Einklang bringen.
d) Abschließende Betrachtung
Man sieht zusammenfassend, dass man mit Hilfe eines relativ simplen und billig herzustellenden Sensors unserem Zentralgestirn doch recht passable Ergebnisse abringen kann. Die Messungen an sich sind dabei recht einfach auszuführen, die meiste Mühe bereitet noch die anschließende präzise Durchführung der Eichung und die relativ langen Rechenzeiten von mehreren zehn Minuten für eine Helligkeitskurve.
Nichtsdestotrotz war vor allem die Optimierung des Sensors und der Software eine große Herausforderung, weil es das Vorgängermodell zur Sonnenfinsternis nur auf eine Messung in knapp zehn Sekunden gebracht hatte. Erst durch eine neu abgestimmte Elektronik, einige Programmiertricks und dem Betrieb im DOS-Modus anstatt in Windows ist letztlich eine Verdreihundertfachung der Messfrequenz gelungen.
Abb. 1.1: Schaltplan erweitert um einen parallel geschalteten Kondensator
Abb. 1.2a: LIMES II in Draufsicht
Abb. 1.2b: LIMES II in Seitenansicht
Abb. 2: LIMES II bei Eichung
Abb. 3: Helligkeitskurve bei 500nm
Abb. 4: Wellenlängenabhängigkeit der MRV
Abb. 5: Helligkeitsmessung
im 500nm-Licht durch vier Sonnenflecken (Hintergrund: [9])
Literaturverzeichnis
[1] B. Kainka, PC-Schnittstellen angewandt. Messen, Steuern, Regeln über die Standard-Ports; Aachen, Elektor-Verlag, 19976, S.42f
[2] Biefang, J., Binokularansätze im Test, in: Sterne und Weltraum, 8/1999, S.679f
[3] Reinsch, Beck, Hilbrecht u. Völker (Hrsg.), Die Sonne beobachten, Heidelberg, Hüthig GmbH, 1999², S.4
[4] Schwinge, W., Das Kosmos Handbuch Astrofotografie: Ausrüstung, Technik, Fotopraxis; Stuttgart, Franckh-Kosmos Verlag, 1993, S.82
[5] Reinsch, Beck, Hilbrecht u. Völker (Hrsg.), Die Sonne beobachten, Heidelberg, Hüthig GmbH, 1999², S.48
[6] ebd., S.49ff
[7] ebd., S.105
[8] ebd., S.103
[9] http://www.spaceweather.com/22dec00/midi512_blank.gif