Sonnenbeobachtung auf der Volkssternwarte Kirchheim e.V.

Manfred Holl 03.05.2001

Im Gegensatz zu den letzten Jahren sind wir (André Wulff und ich) in diesem Jahr bereits Ende April nach Kirchheim gefahren, um hier nachts mit dem 500/2500 mm Newton auf Galaxienjagd zu gehen. Allerdings sollte bei mir als passioniertem Sonnenbeobachter natürlich unser Tagesgestirn nicht zu kurz kommen. Wieder hatte ich meinen kleinen 80/400-Refraktor mitgenommen, um in Kirchheim meine regelmäßigen Beobachtungsprogramme fortsetzen zu können. Das ist für mich insofern wichtig, als dass ich wegen umfangreicher Baumassnahmen an meinen bisherigen Hamburger Beobachtungsplatz (Dachbodenfenster) nur noch eingeschränkt die Sonne beobachten kann. Zudem kämpfe ich im wahrsten Sinne des Wortes mit der Natur, da jedes Jahr höher wachsende Bäume die Sicht auf die Sonne immer mehr verdecken. So hoffe ich, dass mir trotz widriger Umstände doch noch die für einen Bezugsbeobachter erforderliche Anzahl von Beobachtungen und darüber hinaus noch etliche mehr gelingen werden.

Die Sonne geizte in den 8 Tagen zwischen dem 23. April und dem 1. Mai 2001 nicht mit Flecken. Darunter die wieder erschienene Region 9393, von der p- und f-Fleck mit bloßem Auge (Sofibrille!) sichtbar waren. Allerdings hatte ich schon Schwierigkeiten, den f-Teil zu halten, aber mit etwas mehr Konzentration ging es dann. Es ist übrigens sehr selten, dass man den voranschreitenden und den nachfolgenden Teil einer bipolaren Fleckengruppe gleichzeitig mit bloßem Auge beobachten kann!

In den acht Tagen unserer Anwesenheit auf der Kirchheimer Sternwarte hatten wir insgesamt nur 2 klare Nächte und erst in den letzten beiden Tagen wurde das Wetter durchgreifend besser, der Himmel aber leider auch syphiger. Dennoch konnte ich am Tag vor unserer Reise mit meiner Videokamera einige H-alpha-Aufnahmen machen.

Der 0,5 Angström DayStar-H-alpha-Filter wurde an den Okularauszug des 200/3000-Refraktors. angeschlossen und nach Erreichen der nötigen Betriebstemperatur zeigten sich dann deutlich Protuberanzen und Filamente, die wir auch filmten. Davor mussten wir jedoch feststellen, dass die Montageschiene für Videokameras für unseren Kameratyp (Sony) nicht geeignet war. Also blieb uns nichts anderes übrig, als ein Zenitprisma und ein Okular mit großer Austrittsöffnung zu nehmen, sodass wir unsere Kameraobjektive quasi auf das Okular drauflegen konnten. Hierzu musste erst einmal mit dem Teleskop der richtige Schärfepunkt gefunden werden, was gar nicht so einfach war. Danach wurde mit der Kamera gezoomt, bis man ein formatfüllendes Bild im Sucher zu sehen bekam. Das funktionierte aber nach kurzer Eingewöhnungszeit recht gut und so kam ich zu meinen ersten Videoaufnahmen von der H-alpha-Sonne.

Ich drehte einen 15 minütigen Film und konnte schon einzelne Veränderungen in der Struktur einer Protuberanz festhalten. Sie wies, als ich sie das erste Mal beobachtete, eine typische Bogenstruktur auf. Im Laufe der kommenden Stunde veränderte sie ihr Aussehen radikal, der Bogen löste sich auf, einzelne Streamer wichen in den Weltraum hinaus, der Rest fiel wieder zurück auf die Sonnenoberfläche. Das alles lief binnen etwa einer dreiviertel Stunde ab und konnte von mir im wesentlichen mit der Videokamera festgehalten werden.

Von einem Sternwartenmitarbeiter bekamen wir noch einen Tipp, wie wir unsere Aufnahmen optimieren könnten (Kameraeinstellung "sepia"). Wir folgten dem Ratschlag und filmten darauf hin noch einmal die H-Alpha-Sonne. Der Trick funktionierte hervorragend. Leider war während der Beobachtungs- und Drehzeit das Seeing laufend schlechter geworden, sodass die zuletzt aufgenommenen Sequenzen nicht ganz so eindrucksvoll waren. Allerdings zeigen sie sehr schön die Auswirkungen des Seeings auf die Sichtbarkeit von Details im Lichte der Wasserstofflinie H-alpha.

Trotz der etwas widrigen Umstände, unter denen die Aufnahmen entstanden, konnten die typischen H-Alpha-Strukturen, Protuberanzen am Sonnenrand und gleichzeitig Filamente über der Sonnenoberfläche (bei einem sah man visuell und später auf den Aufnahmen sogar deutlich einen nach oben gebogenen Faden) und die Körnung der Sonnenoberfläche gut herausgearbeitet werden.

Die Methode, einfach das vom Okular erzeugte Bild mit dahinter gehaltener Kamera abzufilmen, ist zwar sehr simpel und natürlich nicht hundertprozentig perfekt. Aber sie eröffnet die Möglichkeit, auf diesem doch recht simplen Weg zu eigenen Videoaufnahmen zu kommen, die man sich dann gleich am heimischen (oder dem vereinseigenen) Videorekorder anschauen und beurteilen kann.

Manfred Holl, Friedrich-Ebert-Damm 12 a, D-22049 Hamburg, eMail: m.holl@t-online.de
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