Manfred Holl (30.04.2001)
In (1) wurde erstmals über ein neues Lichtbrückenprogramm innerhalb der Fachgruppe Sonne berichtet, die ersten Beobachtungsergebnisse wurden in (2) publiziert, alle Beobachtungen für das Jahr 1999 sind (3), zu entnehmen. die Auswertung für 2000 ist in Vorbereitung und wird hier veröffentlicht, sobald sie abgeschlossen ist.
Dem interessierten Beobachter werden zwei Programme angeboten, die im Detail in (1) und (2) beschrieben wurden. Die Sektion Sonne der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V., Hamburg (GvA) betreut hier die Bestimmung der Lichtbrückenzahl, wobei der Beobachter die Aufgabe hat, neben den üblichen Standardwerten (Datum, UT, R, S Q) die Zahl der auf der Sonne sichtbaren Lichtbrücken zu ermitteln, dies kann, vorausgesetzt der Beobachter ist in der Lage, Position des Sonnenäquators und der Sonnenachse einigermaßen sicher festzulegen, die Zahl auch getrennt nach Nord- und Südhemisphäre bestimmen. Des Weiteren sollte der Beobachter hier auch den jeweiligen Lichtbrückentyp anhand des Hilbrechtschen Klassifikationsschema bestimmen. Nach einer kurzen Einarbeitung ist das alles aber recht unproblematisch.
Demgegenüber beschäftigen sich die Wertheimer Sternfreunde um Heiko Bromme mit der Frage nach der Entwicklung von Lichtbrücken. Hierfür ist es absolut notwendig, die Positionen der Lichtbrücken zu bestimmen, damit bei der späteren Auswertung eine vernünftige Zuordnung zu den jeweiligen Fleckengruppen möglich ist. Entsprechende Unterlagen können gegen 3 DM Rückporto bei ihm (Adresse s. unten) abgefordert werden.
Wie die Auswertung der 1999er Ergebnisse gezeigt hat, kann derzeit beispielsweise eine Korrelation zwischen Fleckenhäufigkeit und Zahl der Lichtbrücken nicht abgeleitet werden. Dies liegt auch an der Zahl der zur Verfügung stehenden Beobachtungen. Im Jahr 1999 reichten insgesamt 6 Beobachter 353 Beobachtungen ein. Damit konnten zwar immerhin schon 199 Beobachtungstage abgedeckt werden, für eine sinnvolle Auswertung ist aber die Datenbasis noch zu gering. Daher wäre es wünschenswert, wenn sich weitere Beobachter entschließen könnten, beim Lichtbrückenprogramm mitzumachen.
Um Lichtbrücken überhaupt sehen zu können, genügend schon Teleskope wie ein 60/910- oder ein 80/400-Refraktor. Naturgemäß lösen größere Instrumente mehr Details auf und zeigen dann auch eine größere Zahl an Lichtbrücken. Dies zeigte sich eindrucksvoll während meines 2000er Sommerurlaubes auf der Sternwarte Kirchheim, als ich an den wenigen nutzbaren Tagen mit dem dortigen 110/1650 AS-Refraktor in der Schiefspieglerhütte die Formen der Lichtbrücken im Detail studieren konnte. Es offenbarten sich nicht nur die verschiedensten Formen, die zumeist im Hilbrechtschen Klassifikationsschema wieder gefunden werden konnten (das somit seine große Praxisnähe unter Beweis gestellt hat), der Einfluss des Seeings machte deutlich, wie sehr die Sichtbarkeit von Lichtbrücken leidet. Schon die Abnahme des Seeings um einen ganzzahligen Wert, z. B. von 2 auf 3, mehr noch von 3 auf 4 lassen Details oder gar ganze Lichtbrücken scheinbar verschwinden.
Der interessierte Beobachter sollte sich dadurch jedoch nicht abschrecken lassen, selbst wenn pro Monat vielleicht nur 1 oder 2 Lichtbrückenbeobachtungen gelingen, können es vielleicht gerade diese sein, die helfen, unsere Programme auf eine sichere Basis zu stellen, um künftig Aussagen über das noch weitgehend unerforschte Gebiet der Lichtbrücken gewinnen zu können, daher: Keine Angst vor kleinen Brücken!
(1) H. Bromme, M. Holl: Ein neues Lichtbrückenprogramm, SONNE 86, Juli
1998, S. 55
(2) M. Holl: Lichtbrücken-Auswertung 1999, SONNE 94, Juni 2000, S. 43
(3) M. Hörenz et al.: SONNE-Datenblatt 1999, S. 15