DAIMOS - Daily maps of the sun -

Tageskartenprogramm

Die Entwicklung der Sonnenfleckengruppen von Juli bis September 2000

Gerd Schröder  21.11.2000

Es gibt verschiedene Ansätze, die Sonnenaktivität zu quantifizieren. Das Tageskarten-Team schlägt sich viel mit Gruppenzahl und Gruppenform herum. Sicherlich ist die Gruppenzahl je Rotation oder Monat auch ein Anhalt und gibt Auskunft zur Frage des Maximums. 56 Gruppen im Juli und 64 Gruppen im August sind für das derzeitige Maximum einsame Spitze, die noch hervorgehoben wird durch "nur" 46 Gruppen im September, obgleich da einige großartige Gruppenentwicklungen zu beobachten waren.

Immer noch verunsichern Fleckengruppen in hohen heliographischen Breiten ab 25° (7 im Juli, 11 im August und 9 im September, immerhin 20% der beobachteten Gruppen!), ob das Maximum bald erreicht wird oder schon überschritten ist. Sind die beiden Gruppen 5B und 16B, 33°S und 32°S, im September oder die Gruppe 15 im August bei 38°S schon die ersten Gruppen des neuen Zyklus? Oder gibt es immer derartige Gruppen, nur wurden sie bisher nur wenig beschrieben?

In der ersten Julidekade zogen wie auf einer Perlschnur aufgespannt 4 Gruppen vom Typ D und E über die Südhalbkugel als Vorreiter eines Gruppenkomplexes auf der Nordseite der Sonne, der zwischen dem 8.7. und 11.7. über den Sonnenrand rotierte (Gruppen 4; 6; 8; 9 und 11. Der Hauptfleck der Gruppe 6 war am 11.7. über 8°, also mehr als 110 000 km lang. Als die Gruppe am 14.7. über  den Zentralmeridian zog, zeigte sie schon starke Auflösungserscheinungen und verschwand am Westrand als Bxi-Gruppe. In den Folgetagen war die Sonne übersät von Gruppen. Erwähnt sei nur die Gruppe 15 bei 235° / 10S. Sie kam als harmlose Hsx-Gruppe am 14.7. über den Ostrand, am 16. war es eine fleckenarme Dsi-Gruppe,  am 17.7. zeigte sie eine ungewöhnliche bipolare Form, in der die beiden Hofflecken dicht bei einander  standen, umgeben von einem Kranz einfacher Umbren. Dieses Gebilde dehnte sich zum 18.7. zu einer komplexen Eac-Gruppe aus. Ein kräftiges Anwachsen der Hofflecken ließ sie für einige Tage über 15° lang werden. Dabei bildete sich ab dem 21.7. eine Fleckenbrücke zur Gruppe 25 aus. (NOAA hat beiden Gruppen nur eine Nummer gegeben, Nr. 9087). Vom 23.7. an schrumpfte die Gruppe wieder zusammen.

Einen ungewöhnlichen Lebenslauf hatte auch die Gruppe 17, die als ca. 15° lange C-Gruppe am 18. und 19.7. auffiel. Endlich entstand am 20. Juli auch ein vernünftiger Gruppenanfang. Der vordere Komplex wanderte vom hinteren Teil weg, so dass am 23. und 24. Juli eine Gruppenlänge von 20° entstand, aber wer an diesem Tag das erste Mal nach einer Regenperiode oder dem Urlaub beobachtete, hätte hier 2 Gruppen gesehen. Das war also eine F-Gruppe, wenigstens von der Länge gesehen, während für mich ein F als Klassifizierung nicht so leicht über die Feder gehen würde. Eine F-Gruppe muß groß und fleckenreich sein, aber in unserem System zählt nur die Länge.

Am 13. und 14.8. waren 19 Gruppen auf der Sonne zu sehen. Sie waren nicht spektakulär, trieben aber die Relativzahlen deutlich über 200 hinaus. Ungewöhnlich war die Gruppe 15 bei 39°S, die es bei der hohen heliographischen Breite fast zu einer E-Gruppe gebracht hätte. Vom 20.8. bis zum 26.8. war es ziemlich ruhig auf der Sonne, immerhin waren weniger als 10 Gruppen sichtbar.

Anfang September war wieder die Gruppenzahl dominant aber mit der Gruppe 1, die am 3.9. durch den Zentralmeridian zog, gab es auch eine fleckenreiche Gruppe mit großem komplexen vorlaufenden Hauptfleck. Eine fast explosive Entwicklung zeigte die Gruppe 8 auf der Südhalbkugel:Aus der kleinen Csi-Gruppe am 4.9. war am nächsten Tag schon eine stattliche Dsi-Gruppe geworden, am 6.9. morgens war sie noch Eac, nachmittags bereits Fhc, also eine der aktivsten Gruppen-bezeichnungen. Ihr Aktivitätsfeuer war schnell verschossen, als Csi-Gruppe verschwand sie hinter dem Westrand der Sonne. Es wurde wieder sehr ruhig auf der Sonne: Am 12.9. nur 3 Grüppchen vom Typ Axx, von mehreren Beobachtern nicht gesehen, und eine Bxo-Gruppe bei 32° Süd. Auch die Gruppe 20 bei 190° / 13N zeigte eine kurze Aktivitätsphase: Einige Spätbeobachter sahen sie erstmals als Axx-Fleck am 13.9. Schon am nächsten Tag war Nachdenken angesagt: D-Gruppe oder doch nur geteilter Hax-Fleck, zumal die beiden Flecken in Nord-Süd-Richtung übereinander standen. Am 15.9. waren sogar 3 Penumbren, wie zusammengequetscht, übereinander stehend zu sehen. In den Folgetagen teilten sich die großen Höfe und zogen sich etwas auseinander, aber eine richtige gescheite Gruppe mit 2 Polflecken brachte sie nicht zustande.

Während man noch über den Typ der Gruppe 20 streiten konnte, zog auf der Südhälfte der Sonne ab 15.9. die Gruppe 21 herauf - oder waren es 2 Gruppen? Zumindest bis zum 21.9. war ich mir darüber nicht schlüssig, denn hier gab es 2 dicht untereinander liegende Fleckenreihen mit vor- und nachlaufenden Hofflecken, aber die beiden Reihen waren in den Folgetagen durch Fleckenbrücken verbunden und sie rückten schließlich nicht mehr auflösbar zusammen und rotierten so am 27.9. über den Westrand. Aber zu dem Zeitpunkt war diese Gruppe in den Hintergrund getreten. Beherrschend zog die Gruppe 24 am 24.9. durch den Zentralmeridian. Keine Diskussion. Das war eine F-Gruppe! Riesen-Penumbra, zerrissen, 150 000 km lang, 60 000 km breit, gefolgt von vielen kleinen Höfen, in einigen Höfen sah ich keine Flecken. Der Hauptfleck hatte eine der größten Penumbren dieses Maximums. Ab dem 27.9. löste sich die Gruppe auf, lief aber immer noch als Dkc-Gruppe über den Westrand.

Teilnehmer am DAIMOS-Team sind:

Tabellen (im PDF-Format):

Tageskarten:

in Arbeit

Gerd Schröder, Schrimpfstr. 67, 82131 Gauting

Letzte Änderung: 2000-12-08 14:00