Thomas Wolf Juni 2000
Neue Einsichten und Gesichter
Als sich am 1.6.2000 mit einer planmäßigen Verlegung vier Mitglieder der Radeberger AG-Sonne früh Morgens auf den Weg zum wunderschön an der Elbe gelegenen Ort Sörnewitz machten, um letzte Arbeiten im Tagungssaal zu verrichten, zeigte sich das Wetter all zu gut. Denn kaum jemand hatte noch damit gerechnet, dass Petrus' Meinungen doch positiv ausfallen und erst recht natürlich nicht, dass dies die folgen-den Tage und Nächte anhalten würde.
So konnten die ersten Gäste pünktlich um die Mittagszeit bei besten Temperaturen anreisen. Nachdem die Veranstaltung langsam mit der Redaktionssitzung und dem Abendessen begonnen hatte, stand der erste Fachvortrag von Frau Dr. Karin Muglach auf dem Plan. Mit dem Thema "Oszillation von aktiven Gebieten auf der Sonne" stellte sie die neuesten Beo-bachtungen vor, an welchen sie durch ihre Beteiligung an internationalen Großprojekten mitwirkte. Dabei kamen sowohl Raumsonden wie SOHO zum Einsatz, aber auch Beobach-tungen am Einsteinturm des Astrophysikalischen Instituts Potsdam. So zum Beispiel die Darstellung von Magnetfeld-schleifen im dreidimensionalen Bild, was bis dato nicht mög-lich war. Aber auch mit den bisher ungeklärten Entdeckungen von aufgehellten Gebieten in der Penumbra, welche schein-bar wandern, nachweislich aber kein Materietransport sind, zog sie alle in ihren Bann. Auf die Zukunft hoffend und voller Neugier sammelte man sich anschließend, um noch bei ei-nem kühlen Bier über sowohl astronomische als auch irdische Dinge zu diskutieren.
Am nächsten Vormittag zeigte sich die berühmte Qual der Wahl, denn parallel zum Einsteigerseminar von Michael Delfs fanden Workshops zur Sonnenfleckenklassifikation und zum Thema "Sonne online" statt. Wohl am interessantesten gestal-tete sich der Nachmittagsausflug an die Sternwarte Radebeul, um mehr über das Gebäude an sich und die dortige Sonnen-beobachtung zu erfahren. Das ausgestellte Foucault-Pendel wurde anfangs mit einem elektrischen Kontakt in Schwingung gehalten, als dies durch Korrosion unpraktizierbar wurde, entschied man sich für ein Lichtschrankensystem, welches den nötigen Impuls in Zeitverzögerung für den Elektromagne-ten auslöst. Neben diesem ist unter anderem auch ein 195 kg Eisenmeteorit und der einzige noch im Originalzustand erhal-tene Südhimmelsprojektor des Dresdner Großplanetariums von 1926 zu finden. Gefolgt von einer kleinen Einführung in die spektroskopische Sonnenbeobachtung durch Hans Georg Zaunick, strebten dann alle der Praxis entgegen um einen Blick durch zuvor beschriebenen Spektrographen, wie auch andere Instrumente, z.B. den ZEISS-Coudé-Refraktor 150/2250 zu werfen. Am frühen Abend folgte ein etwas von der Thematik Sonne abweichender, aber dafür um so interes-santerer Vortrag über Johann Georg Palitzsch. Interessant deswegen, weil er die Person war, welche in dem Bundes-staat des Veranstaltungsortes, Sachsen, lebte. Der Dresdner entdeckte 1758 als erster den Kometen Halley wieder und unterstützte den Anbau der bis dahin ungenutzten Kartoffel-pflanze, welche bekanntlich aus Amerika stammt.
Nicht ohne Erfolg zeigten sich die Workshops in der Auswer-tung am nächsten Tag. Ein Aufmerksamkeit erweckendes erweitertes McIntosh-System konnte Gerd Schröder präsen-tieren. Im Fall der Zeitschrift SONNE begannen erste Überle-gungen diese im Internet zu verbreiten. Allerdings sind noch keine konkreten Zeiträume gesetzt. Vorläufig wird mit dem Gedanken einer grundsätzlichen elektronischen Version ge-spielt. Personen ohne Zugriff würden dennoch auf Wunsch ein Papierexemplar bekommen. Anschließend zeigte die 1977 gegründete Arbeitsgruppe SONNE der rund 4000 Mitglieder zählenden VdS, was sie kann. Von der Beobachtung mit dem bloßem Auge bis hin zur Positionsbestimmung von Flecken fand alles seine gebührende Vorstellung. Frank Schäfer, Vor-sitzender das AFO, ließ daraufhin den Astronomischen Freundeskreis Ostsachsens (AFO) nicht unerwähnt und brachte die beteiligten Sternwarten zu Wort.
Aufklärung über ein Gerät, dessen Name Aufschluss über seine Leistung gibt, den Unigraph (siehe SONNE 93), erteilte Harald Paleske. Wie er durch mehrere Umbauten der Urver-sion eine einzigartige Auflösung sowohl der Bildqualität, als auch der Wellenlängen in der Probtuberanzenbeobachtung erreichte, machte wahrscheinlich jeden neidisch. Doch nicht nur unser Zentralgestirn lässt sich mit dieser Konstruktion erforschen. Planeten und Mond sind hervorragende Objekte, sobald die Kegelblende entfernt und die Irisblende zum Ein-satz gebracht ist. Ein weiteres Highlight, die Nachlese der Totalen Sonnenfinsternis, zählte wahrscheinlich die meisten Besucher. Von Süddeutschland, über Österreich bis Ungarn, von schlechtem und gutem Wetter, von erfahrenen SoFi-Beobachtern bis zum Neuzuwachs, alle hatten etwas zu be-richten. Extra zu diesem Zweck aus Wien angereist veröffent-lichte Herr Reiner Hunger von der Kuffner Sternwarte sein zum Verkauf freigegebenes Video (Informationen unter www.astro.univie.ac.at/~wuchterl/Kuffner/KSWhome.html). Die Finanzierungen für dieses Projekt bezog er aus eigener Kasse, um so bedauerlicher, dass sich der Absatz nur schwer verwirklicht. Auch wenn sich, als schließlich zum Grillabend gebeten wurde, die Musikwünsche teilten und zwei etwas ratlose DJs versuchten die Stimmung zu heben, genoss man die Gesellschaft bis tief in den Morgen.
Als nach einer äußerst kurzen Nacht Wolfgang Lille die neuen Ha-Filter der Firma Coronado vorstellte, welchen schon im voraus Anziehungspunkt waren, musste er einigen von Un-ausgeschlafenheit geprägten Gesichtern gegenüberstehen. Dennoch gelang ihm die Erklärung einer Bedampfungstech-nik, die schon vor Jahren für Raumsonden eingesetzt wurde. Durch eine "harte Bedampfung" erhält man diese Filter, wel-che noch vor das Objektiv gesetzt werden. Zu deren Herstel-lung wird im Vakuum 600°C heißes Material aufgetropft. Wer wie die meisten die Polarlichter im April verpasst hatte, konnte sich noch von Michael Delfs' Bildern und Erlebnissen inspirie-ren lassen noch intensiver nach ihnen zu suchen. Abschlie-ßend resümierte Peter Völker und verdeutlichte seine Eindrü-cke, bevor es schon wieder abreisen hieß. Insgesamt besuch-ten rund 55 Personen die Tagung aus den verschiedensten Regionen. Aus ganz Deutschland, Tschechien und Österreich besuchte man die im Jahr 2000 stattgefundene 24. SONNE-Tagung und jeder hofft, sich im nächsten Jahr, dann im Raum Stuttgart, wiederzutreffen.