Sonnenfinsternis

Die koordinierte Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 11.8.99

J. Draeger 31.5.2000

Teil II: Technische und Organisatorische Aspekte

1 Aktueller Projektstatus

Der erste Teil [3] der Artikelserie über die koordinierte Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 11.8.99 beschäftigte sich hauptsächlich mit den Zielsetzungen der geplanten Beobachtungen. In dem hier vorliegenden zweiten Teil soll nun schwerpunktmäßig auf die technischen Aspekte der jeweils benutzten Instrumente eingegangen werden.

Ursprünglich war eine systematische Beschreibung aller von den verschiedenen Beobachtungsgruppen eingesetzten Geräte geplant. Ein solches Vorhaben macht jedoch nur in Verbindung mit entsprechenden Beobachtungsresultaten Sinn. Leider liegen dem Autor bisher nur wenige Erfolgsmeldungen vor. Verantwortlich für diese Entwicklung sind mehrere Ursachen.

Um eine Beschreibung zahlreicher Instrumente zu vermeiden, welche keinerlei Daten beigetragen haben, wurde auf eine “enzyklopädische” Darstellung der geplanten Experimente verzichtet. Umgekehrt liegen dem Autor ausgezeichnete Beobachtungsresultate von Amateuren vor, die sich nicht an der koordinierten Finsternisbeobachtung beteiligt hatten. Um diese aktuelle Entwicklung zu berücksichtigen, wurde das ursprünglich geplante Konzept der Projektdokumentation geändert. Der vorliegende zweite Teil der Artikelserie schildert nun die technischen und organisatorischen Aspekte des vom Autor geplanten Beobachtungsprogramms, während der dritte Teil den persönlichen Erfahrungen bei der Durchführung des Beobachtungsprogramms gewidmet sein wird. Weitere Teile stellen einzelne Messungen und ihre Auswertung vor -- jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit wie früher beabsichtigt. Manche Leser werden vielleicht verwundert darüber sein, dass auch organisatorische Aspekte besprochen werden. Gerade die Diskussion der Probleme großer Beobachtungsprojekte auf Amateurebene scheint in der Literatur jedoch bisher zu fehlen (siehe etwa [2, 3, 4, 5, ]). Diese Lücke soll hier zumindest teilweise geschlossen werden. Spätestens bei der nächsten in Europa sichtbaren totalen Sonnenfinsternis ist es den Amateuren des deutschsprachigen Raumes wieder möglich, mit umfangreicheren Equipment zu beobachten als es die Beschränkungen einer Flugreise gestatten würden.

Planung des Beobachtungsprogramms

2.1 Konzeption des Beobachtungsprogramms

Die Organisation der koordinierten Finsternisbeobachtung nahm viel Zeit in Anspruch. Dennoch wollte der Autor nicht auf ein eigenes Beobachtungsprogramm verzichten. Unterstützung erhielt er diesbezüglich von der Astronomischen Arbeitsgruppe Laufen (AAL). Weil deren Sternwarte genau auf der Totalitätszone lag, erschien die Aufstellung eines ambitionierten Beobachtungsprogramms naheliegend [3]. Zu den projektierten Experimenten sind folgende Anmerkungen zu machen.

1. Die Auslegung des eigenen Beobachtungsprogramms als bestmögliche Ergänzung zu den anderen Projekten der koordinierten Finsternisbeobachtung hätte die persönlichen Vorlieben und Abneigungen weitgehend ignoriert. Es erschien jedoch ganz im Gegenteil nur fair, die individuellen Wünsche der Beteiligten nach Möglichkeit zu berücksichtigen.

2. Die Abstimmung des Beobachtungsprogramms der AAL mit den Projekten anderer Arbeitsgruppen war gemäß der Idee der koordinierten Finsternisbeobachtung [1, 2] durchaus erwünscht. Eine derartige Zusammenarbeit betraf insbesondere die folgenden Bereiche:

3. Infolge der mangelnden Erfahrung des Beobachtungsteams wurde mit einer gewissen Anzahl von Bedienungsfehlern gerechnet. Daher sollte das Beobachtungsprogramm eine gewisse Redundanz besitzen. Falls ein Experiment ausfiel, stünden so immer noch die Daten des jeweiligen Reserveexperiments zur Verfügung

 

 2.2 Konkretisierung des Beobachtungsprogramms

Die Planung eines anspruchsvollen Beobachtungsprogramms auf dem Papier ist eine Sache, seine spätere praktische Realisierung eine andere. Totale Sonnenfinsternisse zeichnen sich wie kaum ein anderes astronomisches Ereignis durch eine Vielzahl unterschiedlicher Effekte und Phänomene aus, die innerhalb kürzester Zeit aufeinander folgen oder sogar gleichzeitig auftreten. In dieser Hinsicht besonders kritisch ist die Phase der Totalität, welche im Falle der Finsternis am 11.8.99 nur etwas mehr als 2 Minuten dauerte. Ihre Kürze ließ Änderungen der Instrumentenkonfiguration während der Beobachtungen undurchführbar erscheinen. Es verblieb daher nur die Option, für viele Experimente jeweils ein eigenes dediziertes Instrument zu verwenden. Natürlich führte dieser Ansatz zu organisatorischen Problemen. Zwar existierte eine vergleichsweise vielfältige Ausrüstung, welche eine Adaption der vorhandenen Teleskope an verschiedene Erfordernisse gestattete; es war jedoch nicht unmittelbar möglich, viele Instrumente gleichzeitig zu betreiben. Bei den meisten Engpässen konnte man sich jedoch behelfen. So ließ sich die Auswahl an Teleskopen durch photographische Teleobjektive komplettieren. Hinsichtlich der ungenügenden Anzahl geeigneter Montierungen wurden einerseits jeweils mehrere Instrumente auf einer einzigen Montierung zusammengefasst, andererseits verschiedene Geräte als Gegengewichte parallaktischer Montierungen und in einigen speziellen Fällen auch Montierungen ohne Nachführung eingesetzt. Eine wirkliche Mangelware bildeten dagegen die Detektoren. Aufgrund ihres immer noch recht beachtlichen Anschaffungspreises stand nur eine einzige CCD zur Verfügung. Zwar sind photographische Kameras im Falle der Finsternisbeobachtung ein vollwertiger Ersatz, doch waren solche mit Spiegelreflex-Optik und mit T- oder M42-Adapter als Standardanschluss ebenfalls relativ rar. Eine manchmal brauchbare Alternative stellte die Verwendung von Videokameras dar. Natürlich sind diese Systeme alles andere als ideal für astronomische Anwendungen; insbesondere die Auflösung ist relativ gering. Dafür ermöglichen sie aber eine Automatisierung, welche das Beobachtungsteam entlastet. Derartige Überlegungen führten schließlich zum nachfolgend wiedergegebenen Beobachtungsprogramm, welches zur Vermeidung von Fehlbedienungen weiter detailliert und durch einen realistischen Zeitplan ergänzt wurde.

Das Beobachtungsprogramm für die einzelnen Instrumente ließ in der Regel einen gewissen Zeitraum während der Totalität ungenutzt, um unerwartete Verzögerungen abfangen zu können und um dem Beobachtungsteam einen Blick auf die Finsternis mit bloßem Auge zu ermöglichen.

3 Technische Probleme

3.1 Optosensoren

Zwei Experimente sollten das erdatmosphärische Streulicht mit Hilfe von Licht/Frequenz-Wandlern beobachten, welche jeweils als Optosensoren dienten. Theoretische Überlegungen ließen es am zweckmäßigsten erscheinen, den Himmel sowohl am Horizont als auch am Zenith kontinuierlich zu verfolgen.

Zenith: Das Zenith-Experiment diente zur Überwachung der Wellenlängenabhängigkeit der atmosphärischen Streuprozesse durch simultane Photometrie in den UBVRI-Bändern. Es war geplant, die entsprechenden Farbgläser in einem Filterrad zu montieren und mit Hilfe eines elektrischen Antriebs kontinuierlich vor dem Optosensor durchzuschalten. Horizont: Das Horizont-Experiment war ähnlich konzipiert wie das Zenith-Experiment, verwendete aber einen Interferenz-Verlaufsfilter anstelle der photometrischen Breitbandfilter. Dessen einzelne voneinander separierte Filterbereiche besaßen eine Spektralbreite von jeweils 5nm, so dass eine Identifikation des von Protuberanzen und Chromosphäre stammenden H-a -Anteils. Der Filter sollte mit Hilfe eines elektrischen Antriebs vor dem Licht/Frequenz-Wandler hin- und herbewegt werden.

Die Registrierung der Optosensor-Signale übernahm ein Interfacesystem zur Messwerterfassung. Leider konnte damit keine verlässliche Registration der Sensorsignale verwirklicht werden. Es ergaben sich regelmäßig erhebliche Abweichungen zwischen den Resultaten des verwendeten Interfacesystems und denen eines geeichten Kontroll-Instruments. Für eine vollautomatische Messwertaufzeichnung war jedoch allein das Interfacesystem eingerichtet. Letztlich musste daher die Verwendung der Licht/Frequenz-Wandler einschließlich der zu ihnen gehörenden Experimente aufgegeben werden, um eine zusätzliche Arbeitsbelastung des Beobachterteams zu vermeiden.

3.2 SIT-CAM

Ein Experiment war für die kontinuierliche Erfassung des Flash-Spektrums mit Hilfe einer SIT-CAM (Silicon Intensified Target CAMera, d.h. ein integrierter Detektor bestehend aus einem CCD-Array und einem Image-Intensifier.) ausgelegt. Deren Chip besaß eine relativ hohe Auflösung, war vergleichsweise groß, und deckte infolge des enthaltenen Image Intensifiers den blauen Spektralbereich gut ab. Allerdings muss beim Einsatz des Geräts größte Vorsicht angewandt werden, um eine Beschädigung durch einfallendes Photosphärenlicht auszuschließen. Letztlich konnte kein Verfahren gefunden werden, bei dem die SIT-CAM gefahrlos für den gewünschten Zweck hätte verwendet werden können. Angesichts des finanziellen Wertes der Kamera und der relativ hohen Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung wurde letztlich auf ihre Benutzung verzichtet.

3.3 Spalt-Spektrograph

Ein gerade im Umbau befindlicher Spaltspektrograph sollte zur detaillierten Untersuchung der Profile von koronalen und von chromosphärischen Linien dienen. Insofern hätte der Spaltspektrograph eine wertvolle Ergänzung zu den verwendeten spaltlosen Spektrographen dargestellt. Leider war schon bald erkennbar, dass die erforderlichen Umbaumaßnahmen nicht bis zur Sonnenfinsternis abgeschlossen werden konnten. Es verblieb daher nur, die Arbeiten an diesem Instrument bis nach der Sonnenfinsternis ruhen zu lassen und auf das entsprechende Experiment zu verzichten.

4. Diskussion

4.1 Konzeptionelle Aspekte

4.2 Zeitliche Aspekte

Das vorgesehene Beobachtungsprogramm sollte mehrmals geprobt werden, um den Arbeitsablauf einzuüben. Leider konnte dieses Training aufgrund zahlreicher unerwarteter Verzögerungen nicht wie geplant durchgeführt werden. Selbst für eine technische Überprüfung des Equipments blieb teilweise nicht mehr die Zeit. Für diese Zeitprobleme waren mehrere unterschiedliche Ursachen verantwortlich:

Aus den gemachten Erfahrungen ergeben sich die folgenden Empfehlungen:

4.3 Organisatorische Aspekte

Die Beobachtungskampagne der AAL wurde von vielen Personen durch Leihgaben technischer Geräte unterstützt. Dies stellte eine äußerst wertvolle Hilfe dar. Allerdings ist die Nutzung von Leihgaben auch mit Problemen behaftet.

4.4 Personelle Aspekte

5 Danksagung

Dank schulde ich den nachfolgend in alphabetischer Reihenfolge genannten

Personen und Institutionen:

Literatur

  1. R. Beck, H. Hilbrecht, K. Reinsch, P. Völker: Handbuch für Sonnenbeobachter, Vereinigung der Sternfreunde e.V. 1982
  2. J. Charles: The Eclipse Chaser's Guide to ... WOW!, erscheint demnächst, siehe auch http://www.eclipsechaser.com
  3. J. Draeger: Aufruf zur (koordinierten) Finsternisbeobachtung, Mitteilungsblatt der FG Sonne 23(1999)8
  4. J. Draeger: Call for a (coordinated) eclipse observation, Mitteilungsblatt der FG Sonne 23(1999)43
  5. J. Draeger: Die koordinierte Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 11.8.99, Teil I: Überblick über das Projekt, Mitteilungsblatt der FG Sonne, erscheint demnächst
  6. P. Harrington: Eclipse!, Wiley 1997
  7. M. Littmann, K. Willcox: Totality: Eclipses of the sun, University of Hawaii Press 1991
  8. M. Maunder, P. Moore: The Sun in Eclipse, Springer 1998

 Nachtrag zu Teil 1 - Tabellen:

 

Joachim Dräger - draeger@informatik.tu-muenchen.de

Letzte Änderung: 2000-12-14