Sicherheit bei nächtlichen Beobachtungen

E.-Günter Bröckels 13. Mai 2003

Liebe Astrokollegen!
Amateurastronomen sind im allgemeinen friedliebende
Menschen, die nichts anderes möchten, als in
Ruhe und Frieden den Himmel und seine Lichterscheinungen
zu beobachten. Leider kann es passieren,
dass wir dabei Besuch von nicht ganz so friedlichen
Mitmenschen bekommen, besonders, wenn wir
mal allein draußen sind. Leider wollen die nicht nur
ein bisschen Stunk machen. Oftmals sind sie sogar
sehr brutal und nicht selten auf Raub unserer in der
Regel recht teuren Beobachtungsgeräte aus. Und
wenn man die dann nicht freiwillig herausrückt, was
sehr verständlich ist, kann es einem passieren, dass
man erst in einem Krankenhaus wieder zu Bewusstsein
kommt.
Hintergrund ist leider ein trauriger aktueller Anlass:
Am Sonnabend, den 5. April 2003 war unser auch
bei der Sonnenbeobachtung sehr aktives Vereinsmitglied
und mehrfacher Bildautor in SONNE und Sterne
und Weltraum Rüdiger Buggenthien allein unterwegs,
um ein schwaches Polarlicht zu fotografieren.
Er wurde von drei Tätern äußerst brutal zusammengeschlagen
und seiner Fotoausrüstung beraubt.
Hierbei wurde ihm sogar sein eigenes Fotostativ
mehrmals an den Kopf geschlagen. Aus mehren
Kopfplatzwunden blutend konnte er sich noch in die
Nähe einer Tankstelle schleppen. Ein hilfsbereiter
Mann brachte ihn dann zur Tankstelle von wo aus
Notarzt, Rettungsdienst und Polizei alarmiert wurden.
Mindestens zwei Tage lag er auf der Intensivstation
der Uniklinik Lübeck und danach längere Zeit auf einer
chirurgische Abteilung. Für die besuchenden
Vereinsmitglieder ein schockierender Anblick, denn
auch der Kiefer musste mit mehren Klammern erst
mal wieder in Form gebracht werden. Wenn diese
Zeilen veröffentlicht werden ist Rüdiger wieder zu
Hause und wird sein Beobachtungsprogramm, wenn
auch mit anfänglich großem Handycap, wieder aufgenommen
haben.
Und nun wird es noch eine ganze Zeit dauern, bis er
wieder vollständig genesen ist.
Nun drängt sich natürlich die Frage auf: „Können wir
uns gegen so etwas schützen?“
Am besten ist es natürlich, wenn wir, besonders
nachts, in Gruppen beobachten. Je mehr Leute zusammenkommen,
desto besser (es macht ja auch
mehr Spaß).
Leider haben nicht alle Vereinskollegen gerade dann
Zeit zum Beobachten, oder sie kommen später oder
fahren früher wieder los, so dass wir letztendlich
dann und wann doch alleine sind. Manche Himmelserscheinungen
sind auch so flüchtig, zum Beispiel
farbige Sonnen- oder Mondhalos und schwache Polarlichter,
dass man schon mal sehr spontan handeln
muss, um sie zu beobachten oder gar abzulichten,
und auch dann ist man meistens sehr allein auf weiter
Flur.
Der nächste Gedanke ist dann: „Wir brauchen ein
Mittel, um potentielle Angreifer abzuwehren oder gar
zu vertreiben.“
Aber gerade hier wird es schwierig. Nicht jeder von
uns ist ein Kung-Fu-Meister. Und alles, was wie eine
Waffe aussieht, also auch eine Gaspistole, kann fatale
Reaktionen auslösen, wenn der oder die Angreifenden
selbst echte Waffen besitzen. Die größte Gefahr
besteht darin, dass diese dann gegen uns eingesetzt
werden und dagegen haben wir keinerlei
Chance!
Aus den Reihen unserer Vereinsmitglieder kommt
daher folgender Vorschlag:
Wir setzen "Pfefferspray" ein. Es ist extrem reizend,
wenn es dem Angreifer in die Augen gesprüht wird.
Aber auch die Haut wird unerträglich jucken. Pfeffersprays
haben - je nach Ausführung und Preisklasse
eine Reichweite von bis zu 6 Metern. Es bildet keine
Wolke wie die üblichen Reizgase. Das Pfefferspray
wird in einem dünnen Sprühstrahl abgegeben. Man
muss also, auch in der Aufregung, einigermaßen zielen
und vor allem auf die Windrichtung achten!
Stärkerer Seitenwind trägt den Strahl davon und Gegenwind
würde uns selbst außer Gefecht setzen!!
Beim Kauf von Pfefferspray sollte man zudem auf
eine größere Füllmenge achten, sonst ist man ganz
schnell wieder "hilflos". Die Wirkung von Pfefferspray
hält höchsten 45 Minuten an und gereizte Personen
sind dann oft extrem gewaltbereit. Wenn der Angriff
erst mal erfolgreich abgewehrt wurde, sollte man
tunlichst sofort das Weite oder wenn vorhanden, das
Innere des von innen verriegelbaren Autos aufsuchen.
Dann, aus angemessener Entfernung, die Polizei
rufen. Hierbei gehen wir von der Überlegung aus,
dass so gut wie jeder Hobbyastronom in der heutigen
Zeit bei Beobachtungen in der freien Natur ein
Handy dabei hat, schon wegen der Kommunikation
mit anderen Beobachtungsstationen bei besonderen
Ereignissen oder bei Fahrzeugpannen. Dabei lässt
man zwar seine mehr oder weniger wertvolle Ausrüstung
im Stich und riskiert gegebenenfalls nun
auch noch ein paar Beulen im Auto, aber die Gesundheit
geht wohl vor, oder?
Pfefferspray kostet, je nach Füllmenge und Reichweite,
etwa 10 bis 20 Euro und ist in Jagd- und Waffengeschäften
erhältlich. Da die Sprayflaschen unter
Druck stehen, ist es nicht unbegrenzt haltbar. Mit der
Zeit lässt der Druck und somit auch die Reichweite
nach. Aber ein paar Jahre soll das Treibgas laut Herstellerangaben
halten.
Nach Rücksprache mit einem Feuerwehrkollegen,
der nebenbei auch Wildhüter ist, habe ich erfahren,
dass Pfefferspray auch geeignet ist, um aggressives
Wild kurzzeitig abzuwehren. Da die Bachen in der
nächsten Zeit mit ihren Frischlingen umherziehen,
können Wildschweine sehr angriffslustig werden,
wenn man gerade in der Nähe eines Wildwechsels
beobachtet. Auch angreifende Hunde können mit
Pfefferspray ebenfalls gut abgewehrt werden.
Über weitere, ernst gemeinte Anregungen zur Erhöhung
unserer Sicherheit bei unseren nächtlichen Beobachtungen
würden wir uns freuen. Schreibt Euren
Beitrag an SONNE, damit er von möglichst vielen
Amateurastronomen gelesen werden kann.
Mit sonnigen und sternfreundlichen Grüßen

E.-Günter Bröckels, Leiter der FG Sonne im ASL e.V.

Hier noch eine Hintergrundinformation, die zur Veröffentlichung
freigegeben ist:
2 Pressemitteilungen der Polizei zum Raubüberfall
auf Rüdiger Buggenthien
Datum: Wed, 9 Apr 2003 16:32:25
Aus dem Archiv der Polizeiberichte der Lübecker
Nachrichten:
LÜBECK - Zeugen gesucht nach Schwerem Raub
Lübeck (ots) - Die Ermittlungsgruppe Jugend der Kripo
Lübeck (K 16) sucht Zeugen eines Schweren
Raubes, der sich am Samstag, kurz vor 22.50 Uhr, in
der Solmitzstraße in Kücknitz, im Parkgelände hinter
der dortigen DEA-Tankstelle ereignet hat.
Drei bislang unbekannte Jugendliche überfielen hier
in brutaler einen 49 jährigen Lübecker, indem sie ihm
mit einem rohrähnlichen Gegenstand mehrfach auf
den Kopf schlugen. Das Opfer erlitt durch den Angriff
schwerste Kopfverletzungen. Das Trio raubte dem
am Boden liegenden Schwerverletzten diverse Wertgegenstände
(nähere Beschreibung der Gegenstände
entfällt aus ermittlungstaktischen Gründen!) und
flüchtete vermutlich in Richtung Alte Travemünder
Landstraße.
Dem Opfer gelang es, sich bis auf das
Tankstellengelände zu schleppen, von wo
aus die Polizei informiert wurde. Der Verletzte
wurde von einem Notarzt und Rettungssanitätern
vor Ort behandelt und anschließend
in die Uniklinik Lübeck gebracht.
Nach bisherigen Erkenntnissen
besteht für das Opfer zum jetzigen Zeitpunkt
keine Lebensgefahr mehr.
Die vom Kommissariat 1 der Bezirkskriminalinspektion
Lübeck eingeleiteten Ermittlungen
hat nun die Ermittlungsgruppe Jugend
der Kripo Lübeck (K 16) übernommen.
Tatverdächtigenbeschreibungen: 1. Person:
männlich, circa 16 Jahre, 170 cm
groß, gelockte dunkle Haare. 2. Person:
männlich, circa 12 Jahre, gelockte
Haare. 3. Person: männlich, keine weiteren
Angaben.
Die drei Tatverdächtigen könnten sich vor
der Tat in einer größeren Jugendgruppe
auf dem Tankstellengelände aufgehalten haben.
Zeugen melden sich bitte bei der Ermittlungsgruppe
Jugend der Kripo Lübeck (K16) unter 0451-131-0.
Datum:Thu, 10 Apr 2003 17:20:04
LÜBECK - Drei Tatverdächtige i.S. Schwerem Raub
festgenommen
Lübeck (ots) - Den Beamten der Ermittlungsgruppe
Jugend (K16) und Beamten der Polizeistation
Kücknitz gelang am Mittwochnachmittag in einer gemeinsamen
Aktion die vorläufige Festnahme von
drei Lübeckern.
Das Trio im Alter von 18/18/29 Jahren steht im dringenden
Verdacht, am Samstag, 05.03.2003, einen
49 jährigen Lübecker, in der Solmitzstraße (hinter
der DEA-Tankstelle) brutal überfallen und beraubt zu
haben. Das Opfer musste nach der Tat mit schwersten
Kopfverletzungen in die Uniklinik gebracht werden
und befindet sich nach aktuellen Erkenntnissen
auf dem Wege der Besserung. Das Trio wurde dem
Polizeizentralgewahrsam zugeführt. In ihren Vernehmungen
zeigten sich die Festgenommenen geständig.
Das Raubgut, eine Spiegelreflexkamera mit Stativ
(Stativ zugleich Tatwerkzeug), konnte ebenfalls auf
dem Dach eines Lebensmittelmarktes gefunden und
sichergestellt werden. Die drei Lübecker befinden
sich zurzeit weiterhin in Polizeigewahrsam und sollen
im Laufe des heutigen Tages dem Haftrichter
vorgeführt werden.
Wichtiger Hinweis: Bei diesen Meldungen handelt es
sich jeweils um eine Original-Pressemitteilung der
Polizei.

E.-Günter Bröckels, Lübeck
© www.SONNEonline.org
Infos: webadmin@sonneonline.org
Letzte Änderung:  2003-07-04 14:22