Erhard Klingbeil 01.03.2003
Detlef liebt Holzsandalen und trinkt am liebsten Kräutertee....
Er sah in einer Sonnenuhr ein geeignetes Instrument, sich eines Tages von seiner Armbanduhr zu trennen, um ihrem regulierenden Gleichmaß zu entrinnen.
Aus der Stadtbibliothek holte er sich eine Bauanleitung für
Sonnenuhren und schritt sogleich zur Tat. Der große Trockenplatz hin zum
Seeufer schien wunderbar geeignet, eine horizontale Sonnenuhr aufzunehmen, deren
Zeitanzeige auch von den Nachbarn würde eingesehen werden können.
Mit Mutterns Erlaubnis entstand eine glatte Fläche, die als Zifferblatt
hergerichtet werden sollte und für den Schattenstab wurde ein geeignetes
Gasrohr im Winkel der geographischen Breite mit exakter Ausrichtung nach Norden
in den Boden eingelassen und wetterfest fixiert.
Das Zifferblatt war bald konstruiert und mit den Ziffern für einen langen
Sonnenscheintag versehen.
Leider regnete es längere Zeit ohne Unterlass.
Als sich endlich die Sonne ausreichend lange blicken ließ, war die Wanderung
des Schattens über das gelungene Zifferblatt unübersehbar.
Jenny liebte ebenfalls Holzsandalen, sie trank am liebsten Fliedertee. Sie liebte aber auch den Detlef und war die erste Besucherin der neuen Zeit-Mess-Anlage. Ohne auf das Zifferblatt zu schauen, konnte sie von Detlefs Augen ablesen, was die Stunde geschlagen hatte.
Detlef war von dem Erfolg berauscht.
Als Vetter Achim aus dem Nachbardorf in die Geheimnisse der
neuen Zeitmessung eingeweiht werden sollte, verglich er den Schattenzeiger mit
seiner Billig- Uhr und stellte lakonisch fest:
"Na, die jeht aber richtich falsch!!". Er meinte die Sonnenuhr.
Als Detlef den Schattenzeiger mit Achims Billig-Uhr verglich, grummelte er:
"Irgend etwas stimmt da nicht mit der Sonne!".
Nur Jenny konnte weiterhin von Detlefs Augen ablesen, was die Stunde geschlagen
hatte.
Aus der Stadtbibliothek holte Detlef sich eine weitere Anleitung für den
Bau von Sonnenuhren und musste erschreckt feststellen, dass seine Uhr zwar die
wahre Sonnenzeit exakt anzeigte, für die Anzeige einer Uhrzeit wie auf
der Armbanduhr aber waren noch die geographische Länge seines Ortes und
eine noch unverstandene "Zeitgleichung" zu verarbeiten.
Detlef las lange in dem neuen Buch, Jenny konnte nur noch selten von seinen
Augen ablesen, was die Stunde geschlagen hatte.
Dann aber hatte Detlef die Lösung. Er würde eine Hilfstabelle erarbeiten,
die als Ergänzung zu seinem Zifferblatt neben der Sonnenuhr entstehen müsste.
Und die Zeitgleichung konnte Detlef ja ganz einfach aus dem "Ahnert"
entnehmen, den er sich bei den Sternfreunden
im FEZ ausgeliehen hatte.
Aber Detlef hatte den beißenden Spott in den Augen von
Vetter Achim noch nicht verwunden.
Die neue Hilfstabelle musste über jeden Zweifel erhaben sein und die Genauigkeit
einer guten Billig-Uhr aufweisen!
Detlef holte sich sicherheitshalber noch den "Ahnert" von einem weiteren
Jahr.
Sein Schreck war riesengroß: Diese Zeitgleichung unterschied sich geringfügig
von der anderen.
Detlef wollte es jetzt ganz genau wissen. Er holte sich weitere
Jahrgänge des "Ahnert" aus dem FEZ und stellte einige charakteristische
Werte grafisch dar.
Der Meridiandurchgang der wahren Sonne jeweils am 1. Januar der Jahre 76 bis
80 auf 15° östlicher Länge änderte sich um Sekunden, erreichte
aber nach Ablauf einer Schaltjahresperiode wieder den Ausgangswert. Ein solcher
Verlauf leuchtete Detlef
ein. (siehe Abb. 1)

Für die Jahre 76 bis 83 ergaben sich am 15. April wiederum Abweichungen von einigen Sekunden und ein schönes grafisches Muster für einen Vier-Jahres- Rhythmus. ( siehe Abb. 2)

Detlefs Ohren waren rot vor tiefer Begeisterung, er hatte schon
die fünfte Tasse Kräutertee in Arbeit.
Die Daten für den 26.7. der Jahre 76 bis 87 wiesen geringe Abweichungen
auf.
Aber dann!!! Neuer Tee musste her! : In den Wendejahren 88 und 89 erreichte
die Abweichung ungeahnte Ausschläge, um sich danach wieder auf vorhergehende
Werte einzupendeln (siehe Abb. 3).

Detlef war begeistert: Er hatte einen Zusammenhang zwischen
den Wendewirren in der DDR und der Erdrotation bewiesen!
Vetter Achim aus dem Nachbardorf würde staunen.
Weitere Daten mussten ausgewertet werden.
Die Zahlen für den ersten September der Jahre 76 bis 97 ergaben wieder
ein schönes Vierjahresmuster, wenn nicht die Wirren der Jahre 88 und 89
das Weltall völlig außer Tritt gebracht hätten! Auch am ersten
Weihnachtsfeiertag ließen die lokalen Erschütterungen in der DDR
das Weltall erbeben.
Diese Zusammenhänge mussten der Welt mitgeteilt werden.
Detlef reichte seine Erkenntnisse bei der Redaktion der "SONNE" ein
und mit vorliegendem Artikel träumt er von einer Namensgebung wie etwa
"Zeitgleichungskorrekturfaktor nach Detlef"....
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Letzte Änderung: 2003-04-25 18:02 |