Bei der Sonnenfinsternis am 21.06.2001 waren die Fliegenden Schatten sehr gut zu beobachten und auch mit Videokameras überraschend gut festzuhalten [5]. Da gut auswertbare Aufzeichnungen dieses Phänomens nach wie vor Mangelware sind, aber mit geringer Vorbereitung recht einfach zu erhalten sind, möchte ich die Finsternisbeobachter dazu aufrufen, diesem interessanten Aspekt einer Sonnenfinsternis ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Fast die einzigen Hilfsmittel, die man von Zuhause mitführen muss, sind Videokamera mit Stativ, Maßband und ein Kompass. Der Camcorder muss nicht einmal das neueste Modell sein, so dass man mitunter auf ältere "Leihgeräte" aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis ausweichen kann. Wegen der besseren Qualität und Kopierbarkeit der Bänder sind aber Hi8-, S-VHS- oder digitale Camcorder am besten geeignet. Wenn man die Wahl zwischen verschiedenen Geräten hat, sollte man das rauschärmste nehmen. Man kann es durch eine Aufnahme ca. 30 Minuten nach Sonnenuntergang einfach testen.
Konventionelle filmgebundene Fotografien sind wenig Erfolg versprechend, denn wenn die Fliegenden Schatten sich zeigen, ist es bereits so dunkel, dass man selbst mit höchstempfindlichen Filmen kaum die maximal zulässige Belichtungszeit von etwa 1/100 s erreichen kann. Belichtet man länger, werden die Schattenstrukturen bei der typischen Wanderungsgeschwindigkeit von etwa 1 m/s bis zur Unkenntlichkeit verschmiert [1]. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass bislang kaum Fotos existieren. Eventuell könnten die modernen Digitalkameras hier Abhilfe schaffen, obwohl auf unbewegten Bildern die Schattenbänder oft nur schlecht, bei unruhigem Untergrund auch gar nicht erkennbar sind.
Worauf man achten sollte:
1. Die Projektionsfläche sollte möglichst homogen und unstrukturiert
sein. Tischtücher oder Bettlaken sollten auf einem möglichst ebenen
Untergrund liegen und straff gespannt sein.
2. Die Orientierung und Größe der Fläche sollte festgehalten
werden. Optimal ist eine genau horizontale Ausrichtung in Ost-West- oder Nord-Südrichtung.
Eine Größe von mindestens 1 m x 1 m oder mehr ist anzustreben. Als
Größenreferenz für die spätere Auswertung können im
einfachsten Fall regelmäßig platzierte Steine (z. B. im Raster 50
cm) am Rand des Tuches dienen. Man sollte trotzdem die Fläche exakt ausmessen.
3. Die Videokamera muss fest auf einem Stativ montiert werden und ihre Blickrichtung
(Azimutwinkel und Höhe über der Projektionsfläche) genau notiert
werden. Die automatische Belichtung ist unbedingt EINzuschalten, denn die Lichtintensität
ändert sich zum erwarteten Zeitpunkt sehr schnell. Dagegen sollte der Autofokus
nach erfolgter Scharfeinstellung ABgeschaltet werden! Sonst fängt die Fokussierung
mitunter während der Aufnahme an zu "pumpen". Die spätere
Auswertung der Zeit wird erleichtert, wenn zu Beginn und Ende der Aufzeichnung
eine genaue Uhr oder GPS-Uhr abgefilmt wird. Am besten ist, wenn man die Aufnahme
ca. 5 Minuten vor dem zweiten Kontakt beginnt und etwa 5 Minuten nach dem dritten
Kontakt beendet. So wird der Beobachter um die Totalität nicht beansprucht
und man hat gleichzeitig hinterher ein schönes Tondokument von dem Chaos
während der Finsternis ;-)
4. Da die Bewegung der Fliegenden Schatten in erster Linie vom Wind in höheren
Luftschichten verursacht wird [1], sollte vor und nach der Totalität die
Windrichtung und nach Möglichkeit auch die Windgeschwindigkeit zumindest
am Boden registriert werden. Wenn Hinweise auf den Wind in höheren Luftschichten,
z. B. durch die Zugrichtung von Wölkchen existieren, sollte auch das möglichst
präzise notiert werden. Ebenfalls können Hinweise auf die Topografie
der Umgebung wertvoll sein.
5. Selbstverständlich sollte auch der Beobachtungsort möglichst genau
aus einer topografischen Karte oder mittels GPS ermittelt werden, denn das bestimmt
die Ausrichtung der Schattenbänder [3].
Besonders interessant ist eine Registrierung der Fliegenden
Schatten nahe der nördlichen und südlichen Grenzlinie. Hier kommt
es zu einer ausgeprägten Drehung der Ausrichtung der Schattenbänder.
In diesem Punkt sind vor allem die IOTA-Sofi-Profis gefragt!
Ebenfalls lohnenswert und didaktisch wertvoll wäre ein Videoexperiment,
das ein mit einer langbrennweitigen Linse auf das Tuch projiziertes Sonnensichelbild
gleichzeitig mit den Fliegenden Schatten zeigt.
Erfolgreiche Beobachtungen sollten nicht im heimischen Videoschrank dahinruhen, sondern möglichst auch im Internet publiziert und/oder an mich oder Eric Flescher weitergeleitet werden. Er hat eine sehr gute Internet-Linkseite zum Thema "Fliegende Schatten" erstellt [2]. So bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht!
Literatur und Internetlinks:
1. Codona, J. L.: The Enigma of Shadow Bands, Sky and Telescope, 81: 482, (1991)
2. Flescher, E.: Links zu Beobachtungsberichten Fliegender Schatten (in englisch)
http://members.aol.com/kcstarguy/blacksun/shadowbands.htm
3. Strickling, W.: Fliegende Schatten. Sterne und Weltraum (SuW) 42, 2/2002,
S. 65-67
4. Strickling, W.: Die Fliegenden Schatten bei einer totalen Sonnenfinsternis
http://home.t-online.de/home/Dr.Strickling/fls_2k1.htm
5. Mein Beobachtungsbericht der Sonnenfinsternis 2001, Videos et: http://home.t-online.de/home/Dr.Strickling/2k1_obs.htm
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Letzte Änderung: 2002-09-13 11:17 |