Nachlese Bollmannsruh "25 Jahre SONNE"

Peter Völker

Professor Dr. Wolfgang Mattigs Fachvortrag

Von allen professionellen Sonnenforschern, die wir im Verlaufe der 26 Tagungen begrüßen durften, war Wolfgang Mattig am häufigsten dabei. Ein Glücksfall für die VdS-Fachgruppe Sonne, denn er hat – selbst Sonnenforscher von Weltrang – uns Amateure seit der Gründung von SONNE begleitet und stets bereitwillig geholfen.

1977 sprach er uns Mut zu, das Projekt „Mitteilungsblatt SONNE“ nach dem Start weiterzuführen und durchzuhalten. Die Worte des damaligen VdS-Vorstands ermutigten uns da weniger: „In einem Jahr spricht kein Mensch mehr von SONNE.“ 1982 hat Herr Mattig während eines Teneriffa-Aufenthalts das gesamte Manuskript des „Handbuch für Sonnenbeobachter“ durchgesehen, es mit fachlichen Anmerkungen versehen, uns ein Vorwort dazu geschrieben und die Empfehlung zum Druck ausgesprochen. Der VdS-Vorstand hatte gezögert, einen Teil der Kosten vorzufinanzieren und das Manuskript nicht gelesen. Ohne Herrn Mattigs Beurteilung wäre das Buch vielleicht nie erschienen....

Was lag näher, als ihn als Ehrengast zu unserer Jubiläumstagung einzuladen? Er hat die Einladung freudig angenommen. Dazu muss man wissen, dass Herr Mattig in der Stadt Brandenburg geboren wurde und als Junge auf dem Beetzsee mit dem Kahn rumgeschippert ist.

Es stellte sich sogleich die Frage nach seinem Vortragsthema. Die gedankliche Verknüpfung war schnell hergestellt: in Bollmannsruh ging es ja verstärkt um Personen, 25 Jahre SONNE waren aufzuarbeiten und ein neues Team zu begrüßen. Auch in der professionellen Sonnenbeobachtung / -forschung geht es oft um Personen. Vieles ist bekannt seit der „Erfindung“ der Relativzahl, das Meiste über die Eidgenössische Sternwarte Zürich (siehe Ahnerts Kalender für Sternfreunde 1997, S. 233). Verhältnismäßig wenig hingegen wissen wir von den deutschen Fachastronomen aus der Zeit vor ihrer Hinwendung zur Sonnenphysik. Freiburg gab lange Zeit Tageskarten der Sonnenaktivität heraus. Wurden Relativzahlen nach Zürich gemeldet? Mit wem gab es eine Zusammenarbeit? Und so weiter.

Herr Mattig stieg tief in die Archive des Kiepenheuer-Instituts und recherchierte gründlich. Seinen Vortrag hielt er im bekannten brillanten „Mattig-Stil“: kaum ist ein Satz beendet, macht der schon wieder neugierig auf den nächsten Gedankengang; Spannung ist bis zum Schluss garantiert. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass er dies ehrenamtlich tat, wofür ich an dieser Stelle noch einmal meinen herzlichen Dank ausspreche. Der Vortrag war einer der Höhepunkte der Tagung. Jedoch – wie das so ist – es trat eine Zeitverschiebung ein, die Band packte ihre Instrumente aus, bereit zum Soundcheck, das Feuer des Grills wartete darauf, entfacht zu werden: die Jubiläumsfeier nahte! Kurzum, es wurde aus dem Stehgreif gekürzt, und niemand hat´s vor Ort gemerkt.

Im Laufe des Abends sprachen wir noch einmal über den Vortrag. Herr Mattig hatte ein Manuskript dabei, welches er mir überreichte und ich staunte über die darin enthaltene Informationsfülle. Wir kamen überein, diesen wichtigen Beitrag in voller Länge in SONNE abzudrucken.

Ich habe hier, liebe SONNE-Leser, die große Freude, Ihnen Herrn Mattigs Vortrag präsentieren zu können. Wir haben ihn im Stil der gesprochenen Sprache belassen und nicht in Schrift-Deutsch umgewandelt. So wird der Vortragsstil beim Lesen wieder lebendig – ein „unverfälschter Mattig“ sozusagen! Bei aller pointierter Ausdruckskraft überlesen Sie aber bitte nicht, welche Fülle historischer Zusammenhänge hier zusammengetragen worden ist. Der Profi schillert durch und liefert uns pures Gold.

Viel Spaß!

Bevor die Sonnenbeobachtung zur Sonnenphysik wurde – in Deutschland und Umgebung

Wolfgang Mattig

Wenn ich hier über das Thema „Bevor die Sonnenbeobachtung zur Sonnenphysik wurde“ spreche – das Thema hat übrigens Herr Völker vorgeschlagen - , brauche ich nicht bei Urzeiten anzufangen, denn aus Erfahrung weiß ich, dass Amateure darüber sehr genau Bescheid wissen, meist besser als ich.

Bei dem hier zu behandelnden Thema geht es um den sich langsam vollziehenden Übergang von der regelmäßigen, mehr Routine bezogenen Beobachtung zur zielgerichteten Beobachtung, die den Zweck hat, ganz bestimmte wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten. An einem selbst erlebten Beispiel möchte ich das erläutern. Wir hatten in Freiburg auf dem Balkon des Instituts einen 15cm-Refraktor mit einem Ha-Filter zu stehen. Nach bewölktem Himmel riss es auf, Kiepenheuer rief über den Flur: „ Warum beobachtet keiner?“ Diese Zeiten sind vorbei, heute muss jeder einen wohl begründeten Beobachtungsantrag stellen und ein Ausschuss befindet darüber und legt die Beobachtungszeit fest. Ich selbst habe noch die Zeit erlebt, wo ich wirklich Beobachtungszeit hatte um am Instrument zu „spielen“, diese Zeiten sind zumindest an den großen leistungsfähigen Instrumenten vorbei, doch ich denke gern an die Zeiten auf Capri zurück, wo das noch bedingt möglich war.

Zurück zum Thema, wo noch die überwiegende Beobachtungstätigkeit einer gewissen Überwachung der Erscheinungen auf der Sonne das Hauptziel war. Ich würde demzufolge sagen, gelegentliche Beobachtungen sollen hier außen vor bleiben, nur systematische Beobachtungen sind hier von Bedeutung.

Es war wohl der Jesuitenpater Christoph Scheiner (1573 – 1650), der sich mit seinem 1630 veröffentlichten Werk Rosa Ursina  diesbezüglich große Verdienste erworben hat. Er stammt aus Wald in Schwaben, wirkte von 1610 bis 1616 als Professor in Ingolstadt und war auch kurze Zeit Professor in Freiburg.

Heinrich Schwabe – Rudolf Wolf

Den ersten großen Meilenstein setzte dann Heinrich Schwabe aus Dessau (1789 – 1875). Er entdeckte nach einer 20jährigen Beobachtungstätigkeit 1843, besser schon 1837, die Periodizität der Sonnenflecken und veröffentlichte seine Entdeckung in der schon damals existierenden bedeutenden Zeitschrift Astronomische Nachrichten Nr. 495, 1843. Für seine erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit wurde ihm1857 die Goldmedaille der Royal Astronomical Society verliehen. Aus der Originalarbeit mit dem Titel „Sonnen-Beobachtungen im Jahre 1843“ möchte ich hier zwei Sätze zitieren:

(1): „Schon aus meinen früheren Beobachtungen, die ich jährlich in dieser Zeitschrift mittheile, scheint sich eine gewisse Periodizität zu ergeben und diese Wahrscheinlichkeit gewinnt durch die diesjährigen noch an Sicherheit. Obgleich ich schon im Band 15. Nr.350 pag.246 der Astr. Nachrichten die Menge der Gruppen in den Jahren 1826 bis 1837 angab, so füge ich hier ...“

(2): „Die Zukunft muß lehren, ob diese Periode – 10 Jahre – einige Beständigkeit zeigt, ob die geringste Tätigkeit der Sonne im Hervorbringen der Flecken, ein oder zwei Jahre dauert und ob diese Thätigkeit schneller zu als abnimmt.“

Soweit Hofrath Schwabe.

Hingewiesen sei jedoch hier in Fachkreisen auf  einen Satz in dem Göschen-Bändchen „Astrophysik“ von W. F. Wislicenus, in der 3. Auflage von H. Ludendorff 1909 überarbeitet, der da lautet:

1775 sprach Horrebow die Vermutung aus, dass die Flecke in bezug auf die Häufigkeit ihres Erscheinens eine gewisse Periodizität zeigen. Diese Vermutung wurde im 19. Jahrhundert durch die Untersuchungen Schwabes bestätigt.“

Schwabe nimmt darauf keinen bezug.

Den Namen Horrobow kannte ich vorher auch nicht. Wie ich jedoch einem Vortrag von G.Abetti zur 400. Wiederkehr des Geburtstages von Galilei entnehme, war Christian Horrobow Direktor des Observatoriums in Kopenhagen und auch Beobachter von Sonnenflecken.

Walter Friedrich Wislicenus (1859 – 1905) stammt aus Halberstadt, wirkte, zuletzt als Professor, in Straßburg. Sein Hauptverdienst liegt in der Herausgabe der ersten 6 „Astronomischen Jahresberichte“.

Hans Ludendorff (1873 – 1943) ist ein bekannter Mitarbeiter des AOP, von 1921 – 1939 war er Direktor des AOP. Es sei hier an seine Arbeiten über die Sonnenkorona erinnert, er war Herausgeber des Handbuches für Astrophysik und Mitbegründer der Zeitschrift für Astrophysik. - Allgemein noch bekannter war sein Bruder Erich, der General.

 Der zweite Meilenstein folgte nur wenige Jahre später. Als Maß für die Häufigkeit der Sonnenflecken führte Rudolf Wolf (1816 – 1893) die „sunspot number“ ein; entweder 1848 (Waldmeier – Ergebnisse und Probleme der Sonnenforschung; VdS - Handbuch für Sonnenbeobachter) oder 1849 (Kiepenheuer - The Sun) oder 1850 (H. U. Keller – Ahnert 1997, S. 236 [diese Angabe ist wahrscheinlich richtig, denn H. U. Keller war Waldmeiers Nachfolger als Beobachter in Zürich und hatte wohl die Originalquellen zur Verfügung. Merkwürdig ist allerdings die Diskrepanz zwischen Waldmeier und Keller / Anm. P. V.]). Darüber braucht hier kein Wort verloren zu werden, auch nicht über den Faktor k (Lt. Keller ebd. 1861 / Anm. P. V.). Darüber haben sie sicher auch in den letzten Tagen diskutiert, es steht ja auch alles in ihrem Handbuch.

So ist Ihnen auch sicherlich bekannt, dass sich aus Parallelbeobachtungen von Wolf und Wolfer (Nachfolger von Wolf) über 16 Jahre hinweg bei Wolfer ein k von 0.60 ergab. Auch andere spätere Beobachter bleiben im Bereich von k = 0.60 ± einige %.

Darüber hinaus aber noch einige historische Bemerkungen. Rudolf Wolf und die Relativzahlen sind fast zwangsweise mit Zürich verbunden. Das ist auch richtig so, aber vielleicht sollte man doch noch etwas mehr über Wolfs Tätigkeit wissen.

Quelle „Newcomb – Engelmann“, letzte Auflage 1948:

R.Wolf (1816 – 1893) aus Fällanden bei Zürich. Zunächst Lehrer der Mathematik in Bern, 1847 Direktor der Sternwarte daselbst; 1855 Prof. der Astronomie in Zürich, seit 1864 Direktor der neu erbauten Sterwarte daselbst.

Ich habe keinen Hinweis auf eine Originalveröffentlichung gefunden, er hat aber offensichtlich die sunspot number schon während seines Direktorats in Bern eingeführt und nicht erst in Zürich! Er war dann Direktor in Zürich bis 1893, sein Nachfolger im Amt war Alfred Wolfer bis1926, dann William Brunner bis 1945, dann Max Waldmeier und danach (1980) Olaf  Stenflo.

Seit der Gründung der Sternwarte bis zum Ausscheiden Waldmeiers war die Erforschung der zeitlichen Abhängigkeit der Sonnenaktivität immer ein besonderes Anliegen der Zürcher Kollegen.

Dazu vielleicht noch paar historische Anmerkungen:

1852 - Wolf findet als Periode 11,1 Jahre; aus Daten zurück bis 1749 (bei Kieph. – The Sun)

1852 - Wolf findet einen ähnlichen Zyklus in den erdmagnetischen Elementen, unabhängig von Gautier und Sabine (Quelle: Gleißberg)

1862 - Wolf: 78 jähriger Zyklus (Mitt. Zürich Nr. 14) – später insbesondere Gleißberg (Istanbul Nr.26) und ab 1950 Kopecky (Ondrejev)

1874 - Beginn der Greenwicher Fleckenfläche (Photoheliographic Results, bis 1976), in der Bibliothek des Kiepenheuer-Instituts vorhanden

1925 - Wolfer publiziert die Relativzahlen von 1749 – 1924 (Terr. Magn. a. At. Electricity, June 1925)

1935 - Waldmeiersche Gesetze (Diss., Mitt. Zürich Nr. 133), R – Verteilung im Zyklus

1939 - Brunner: Maxima und Minima zurück bis 1610

1939 - Waldmeiersche Klassifikation (Zeitschrift für Astrophysik 16, 285)

1939 - Gründung von Arosa durch Waldmeier

1980 - Einstellung der Routinebeobachtungen an der ETH (Stenflo), Brüssel übernimmt die Zusammenstellung der Relativzahlen (Stenflo 1980).

Soviel zu Schwabe und zu Zürich.

Sonnenforschung in Potsdam

Ich kann und möchte hier nicht die ganze Geschichte, die zur Gründung des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam (AOP) führte, aufrollen, aber einige Bemerkungen seien angebracht. Der Plan, im Berliner Raum ein astrophysikalisches Observatorium zu errichten, nahm in den Jahren 1871 – 1873 konkrete Formen an.

Die ersten Anregungen gehen auf  K. H. Schellbach zurück, der seit 1843 Lehrer der Mathematik an der allgemeinen Kriegsschule war und ein besonderes Verhältnis zum damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm hatte. Schellbach hatte schon vorher auf die verdienstvollen Sonnenfleckenbeobachtungen von Gustav Spörer (1822 – 1895) in Anklam aufmerksam gemacht und den Kronprinzen 1868 veranlasst, ihm einen fünfzölligen Refraktor zur Verfügung zu stellen. Von Schellbach ging die Empfehlung aus, im Berliner Raum eine Sonnenwarte unter Spörers Leitung zu errichten; dadurch wurde der Kronprinz veranlasst, dem damaligen Direktor der Berliner Sternwarte Wilhelm Foerster (1832 – 1921) um eine Stellungnahme zu ersuchen. Foersters Denkschrift stammt vom 30. 9. 1871. Die Stellungnahme der Akademie führte am 29. 4. 1872 zum offiziellen „Gutachten über die Errichtung einer Sonnenwarte“. Dem Vorschlag wurde zugestimmt, mit einer wesentlichen Erweiterung um „die Pflege des neuen Zweiges der Astrophysik überhaupt, von welcher die Untersuchung der Erscheinungen auf der Sonnenoberfläche nur einen Teil bildet“. [Quelle: Wempe, Die Sterne 51, 199, [1975], dort auch weitere Quellenangabe]

Die offizielle Gründung des AOP erfolgte dann am 1. Juli 1874, mit drei etatmäßigen Beamten: Spörer, Vogel (1841 – 1907), Direktor seit 1882 und Lohse (1845 – 1915), geleitet zunächst von einem Direktorium bestehend aus G. Kirchhoff, W. Foerster und A. Auvers.

Potsdam ist damit das erste deutsche Sonnenforschungsinstitut.

(Zur Sonnenforschung: Spörer setzte seine in Anklam begonnenen Beobachtungen der Ortsbestimmung von Sonnenflecken in Potsdam fort, zunächst vom Turm des Militärwaisenhauses, später von einer provisorischen Beobachtungsstation auf dem Telegraphenberg.)

Die Breitenwanderung der Flecken ist als Spörersches Gesetz bekannt geworden. 1881 in den Potsdamer Publ. Nr. 2 veröffentlicht, 1894 (Potsdamer Publ. Nr. 10) der Nachweis, dass dieser Effekt schon in den Daten Scheiners 1621 –1627 enthalten ist. Dies führte zum „law of zones“, oder Spörersches Gesetz.

Hingewiesen werden muss natürlich auf den Umstand, dass schon Carrington (Monthly Notices 19, 1 [1858]) den Breitenwechsel im Minimum 1856 festgestellt hat.

Über die weiteren Beobachtungsergebnisse, Breitenabhängigkeit der Sonnenrotation, Bestimmung der Solarkostanten und der Energieverteilung des Spektrums, soll hier nicht weiter berichtet werden.

Von Bedeutung für die Sonnenforschung in Deutschland schlechthin ist dann noch der Bau des Einsteinturms 1924, des ersten Turmteleskops in Europa. Ziel und Zweck sind hinreichend bekannt, hier auch nicht besonders wichtig, auch nicht die Arbeiten zur Physik der Sonnenflecken durch ten Bruggencate und von Klüber.

Für uns von Bedeutung sind die mehr oder weniger regelmäßige Messungen der Magnetfelder in den Flecken, die von Klüber 1941 begann. Bis dahin hatte das Mt. Wilson Observatorium das Monopol auf diesem Feld; deren Ergebnisse wurden in tabellarischer Form in den PASP veröffentlicht. Nur zur Erinnerung, die Magnetfelder in den Flecken wurden 1908 von G. E. Hale (1868 – 1938) am Mt.Wilson entdeckt.

Nach der Übersiedlung von Klüber´s nach Zürich und dann nach Cambridge übernahm Walter Grotrian (1890 – 1954) die Leitung am Einsteinturm und setzte die Magnetfeldmessungen fort. Zusammenfassende Berichte über die Bedeutung derartiger Messungen hat Grotrian in den „Naturwissenschaften“ 1948  und in der „Zeitschrift für angewandte Physik“ 1950 publiziert.

Die regelmäßigen Messungen sind auf Sonnenkarten eingetragen und in den Potsdamer Publikationen (Band 29 und 30) für den Zeitraum 1946 – 1953 veröffentlicht. Für die Jahre 1954 –55 sind die Ergebnisse in den Astronomischen Nachrichten vierteljährlich tabellarisch veröffentlicht worden, später als Sonderreihe in den Mitt. des AOP.

Mit dem Ablauf des Jahres 1969 wurde das magnetische Routineprogramm eingestellt. (Künzel, Die Sterne 62, 208 [1986]). Fortgesetzt wurden jedoch die täglichen Fleckenzeichnungen, die seit der Magnetfeldbeobachtung der Flecken durchgeführt wurden. Es gab zwischenzeitlich mehrere Observatorien, welche die Möglichkeit hatten, Magnetfelder zu messen. Außerdem wurde mit dem Umbau des Labors zur Messung schwacher Magnetfelder begonnen (Magnetographen). Spezialprogramme wurden immer wichtiger, die routinemäßige Magnetfeldmessung war zu aufwändig. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Horst Künzel im Zusammenhang mit der Bearbeitung der Fleckenfelder 1960 die magnetische Fleckenklassifikation d eingeführt hat (Astron. Nachr. 284, 271 [1960]).

Die Gründung des Fraunhofer-Instituts im Kriege

Ich gehe davon aus, dass die Vorgeschichte, die zur Gründung führte, hier weniger interessant ist, das ist ein Thema für die Historiker. Außerdem hat Frau Gudrun Wolfschmidt im Wissenschaftlichen Jahrbuch des Deutschen Museums 1992 / 93 ausführlich darüber berichtet. Wer es kürzer haben will, findet das auch in einem Aufsatz von mir in Sterne und Weltraum 32, 954 [1993].

Nur soviel, ein Zusammenhang zwischen der Funkübertragung und der Sonnenaktivität war bekannt. Eine weitere Verbesserung der Vorhersage von Funkstörungen erhoffte man sich von der Erforschung der Sonnenaktivität. Zu der Zeit gab es aber kein Institut in Deutschland, das sich dieser Aufgabe widmen konnte.

So kam es 1941 zu einem Übereinkommen zwischen Hans Plendl, einem Pionier der Funktechnik, und Karl Otto Kiepenheuer, ein entsprechendes Beobachtungsnetz aufzubauen. Das Dokument dafür wurde in Rechlin ausgefertigt. Rechlin in Mecklenburg war die Erprobungsstelle der Luftwaffe. Plendl, kam schon 1934 nach Rechlin, Kiepenheuer im Dezember 1939 als ziviler Gruppenleiter. Kiepenheuer legte als Leiter die Zentrale nach Göttingen, wo er Assistent war, später, 1943, dann nach Freiburg. Das ist praktisch das Gründungsdatum des jetzigen Kiepenheuer-Instituts.

Die Namensänderung fand 1978 statt, Kiepenheuer war 1975 verstorben.

In einem Bericht zum 20jährigen Bestehen des Fraunhofer-Instituts schrieb Kiepenheuer: „Charakteristisch für die besondere Situation der Forschung in Deutschland während des Krieges war die Tatsache, dass dem Institut eine größere Zahl von Naturwissenschaftlern zur Verfügung stand, die einer „Forschungskompanie“ der Luftwaffe angehörten, die also als Soldaten eingekleidet waren und fast bis zum Kriegsende beim Institut bleiben konnten.“ Leiter dieser Forschungskompanie war Major Grotrian.

Ich darf hier ein persönliches Wort sagen. Ich habe mit beiden jahrelang zusammengearbeitet, Grotrian war mein Lehrer und Diplomvater und erster Chef, mit Kiepenheuer habe ich 14 Jahre lang bis zu seinem Tode zusammengearbeitet.

Was wurde neu errichtet und mit wem wurde zusammengearbeitet, ohne Details; neu: Göttingen-Hainberg, Wendelstein, Zugspitze, Kanzelhöhe, Schauinsland, Syrakus. Darüber hinaus gab es schon Beobachtungsstationen in Potsdam, Hamburg, Meudon (Paris), Florenz. In wie weit Zürich im Kriege mit Deutschland zusammengearbeitet hat, ist mir nicht bekannt, es gibt aber Hinweise dafür.

Neben den Überwachungsaufgaben haben die Institute natürlich auch „reine Forschung“ betrieben, von den Potsdamer Magnetfeldmessungen haben wir schon gesprochen. Auf dem Schauinsland haben Thiessen und Kiepenheuer versucht, das allgemeine Magnetfeld zu messen. Kiepenheuer plante, mit einer V2 Rakete die UV-Strahlung der Sonne direkt zu messen. Mit dem Ende des Krieges zerfiel das Beobachtungsnetz, ehe es voll in Betrieb gehen konnte. Was waren die Ergebnisse während der Arbeiten im Kriege? Dazu zwei Bemerkungen aus dem Bericht von Frau Wolfschmidt.

(1): Der französische Astronom Yves André Rocard berichtete im August 1946 über die Aktivitäten der deutschen Sonnenphysik: „ Kiepenheuer erhielt die gleiche Priorität für seine Forschung wie das Uranprojekt. Aber die Luftwaffe bemerkte, dass das Geld mehr für die Sonne als für das Militär verwendet wurde.“

(2): Die 10 im Kriege erschienenen Forschungsberichte des Fraunhofer-Instituts umfassen vier theoretische und sechs experimentelle Arbeiten. Nur einer betrifft die Sonnenüberwachung.

Ich möchte diese Dinge nicht weiter vertiefen, aber, wie mir auch Kiepenheuer selbst erläuterte, ging es den Beteiligten überwiegend darum, die im Kriege zur Verfügung gestandenen Gelder für die Sonnenphysik zu nutzen. Dies erklärt auch den Umstand, dass viele Institute auch nach dem Kriege erhalten blieben, allerdings nicht als Zentralinstitut in Freiburg. Eine nach dem Kriege gebildete alliierte Kommission hat die Sonnenforschung untersucht und deren wissenschaftliche Untersuchungen ausdrücklich anerkannt.

Nach dem Kriege hat Kiepenheuer die noch vorhandenen Kontakte weiter genutzt, hat die eigenen Beobachtungsbedingungen zu verbessern versucht, und die vorhandenen Daten veröffentlicht. Schon ab Juli 1946 – ( mit Daten vom Schauinsland und vom Wendelstein) - in den so genannten „SPIM“ (Service de Prévision Ionospherique Marine) - Berichten bis 1948 und mit Daten Wendelstein, Schauinsland, Jena, Pic du Midi, Potsdam, Istanbul, Kanzelhöhe dann von 1949 bis 1955 in den „Sonnenzirkularen“. Der Freiburger Jahresbericht von 1953 sagt z. B.: „Sonnenzirkulare“ (250) wurden weiter erstellt; täglich fernmündliche Meldungen an das fernmeldetechnische Zentralamt – (dies habe ich auch noch 1961 getan) - ; Relativzahlen an beschränkten Kreis von Interessenten. Bei den Photosphärenbeobachtungen gab es keine Lücken. Ergänzend sei bemerkt, dass zu der Zeit noch keine Ha-Filter im Einsatz waren. Am 1.Juli 1955 wurde das Obs. Capri in Betrieb genommen. Die „Sonnenzirkulare“ wurden Ende 1955 eingestellt und ab 1956 durch die „Map of the Sun“ ersetzt. Datenzulieferer waren:

Photosphäre:    Freiburg, Istanbul, Kanzelhöhe, Potsdam mit magnetischer Klassifikation, Wendelstein.

Chromosphäre:  Ha und K3 Spektroheliograph: Freiburg, Kodaikanal, Wendelstein, Tokio Ha - Filtergr.: Sac Peak, Sydney, Capri.

Protuberanzen:  Capri, Kanzelhöhe, Potsdam, Sydney, Wendelstein.

Korona:            Climax, Kanzelhöhe, Pic du Midi, Sac Peak, Wendelstein

Also intensive internationale Zusammenarbeit.

Göttingen ist nicht dabei, auch Zürich fehlt. – Für unsere jüngeren Zuhörer: In Würzburg gab es zu der Zeit keine Sonnenphysik.

Das geophysikalische Jahr 1957 / 58, höchstes Maximum, höchste tägliche Relativzahl: 24 / 25. 12.: R=355

Es wäre falsch zu behaupten, dass die solarterrestrischen Beziehungen nur im Kriege interessant waren. Auch heute noch sind wissenschaftliche Ergebnisse hoch aktuell, ich denke dabei nur an die Kontroverse über den CO2 – Gehalt der Atmosphäre. So kamen mehrere internationale Organisationen überein, für eine begrenzte Zeit eine große internationale Zusammenarbeit auf diesem Felde zu organisieren, das Geophysikalische Jahr. Wie schon der Name sagt, waren die Ergebnisse für die geophysikalischen Effekte weit wichtiger als die solaren Zusammenhänge. An diesem Unternehmen waren sehr viele Institute beteiligt, es gab ja auch erhebliche staatliche Mittel dafür. Wir in Potsdam, wo ich zu der Zeit tätig war, haben einen speziellen Bau für  unser Spektrohelioskop errichtet. Aus Mitteln für das Geophysikalische Jahr wurde ein Ha-Polarisationsinterferenzfilter erworben. Auf dem Gebiet der Sonnenforschung haben in Deutschland Freiburg, Potsdam und Wendelstein  mit verstärkten Beobachtungen am IGJ teilgenommen. Freiburg war eines der world-date-center und hat die endgültigen Tageskarten der Sonne mit Filamenten, Protuberanzen und Eintragungen über die Disparitions Brusques ( sudden disappearence, plötzliche Auflösung) erstellt; Die Korona und Fleckenkarten wurden vom HAO Boulder angefertigt, die Radiokarten vom CSIRO Sydney. Dazu gab es Informationen von  den Instituten: Arcetri, HAO Boulder, Captown, Herstmonceux, Kanzelhöhe, McMath Hulbert, Meudon, Mt.Wilson, Naval Observatory Washington, Oslo, Sac Peak, Sydney, Wendelstein.

Für die weiterlaufenden Tageskarten gab es Daten von 8 Stationen für die Photosphäre, 9 Stationen mit Ha-Filtergrammen, 5 mit K3 - Spektroheliogrammen,  4 für  Protuberanzen, 33 für flares, teilweise über Ursigramme (hier auch Zürich), 6 für Korona.

Zu der Zeit war also die internationale Zusammenarbeit bei der Sonnenüberwachung auf einem nie gekannten Höchststand, der dann später abflaute.

Wann, wie und warum „starb“ die Sonnenüberwachung?

Es gibt sicher mehrere Gründe, warum in Deutschland, und drauf möchte ich mich hier beschränken, langsam die Überwachung einschlief. Das geschah ja auch nicht koordiniert, sondern intern in jedem Institut unabhängig. Was waren die Gründe, die nach meiner Meinung dazu führten?

(1): Mit der Existent neuer oder verbesserter Instrumente wuchs die Neigung,  wissenschaftlich interessantere Probleme anzupacken. Probleme, die sich mit einfachen Mitteln eben nicht lösen lassen. Dies insbesondere dann, wenn andere Institute – auch im Ausland – diese Aufgabe übernahmen.

(2): Da wissenschaftliche Forschung auch von einzelnen Personen getragen wird, ist es oft möglich, dass beim Ausscheiden eines Kollegen auch das Arbeitsfeld endet.

(3): Der Einsatz von Satelliten ließ die bodengebundene Untersuchungen von Chromosphäre und Korona weit zurückfallen. Die Hauptstrahlungsquellen für die solare Aktivität liegen im UV. Denken sie an die ersten Skylab – Beobachtungen, die Erforschung des UV-Spektrums und die Gewinnung von Spektroheliogrammen in UV-Linien, nicht erst seit SOHO..

Lassen sie mich demzufolge einiges zu den einzelnen Instituten sagen.

Göttingen: In Göttingen gab es nach dem Kriege überhaupt keine Sonnenüberwachung. Im Jahre 1961 wurde die Außenstelle Locarno-Orselina in Betrieb genommen. Die Verlegung, oder besser die Inbetriebnahme eines neuerbauten äquivalenten Instruments erfolgte 1985 auf den Kanarischen Inseln.

Potsdam: Hier gab es zunächst keine wesentlich neue instrumentellen Entwicklungen. Die tägliche Bestimmung von Polarität und maximaler Feldstärke der Sonnenflecken wurde bis 1969 fortgesetzt. Davon sprach ich schon. Die Erforschung der allgemeinen magnetischen Aktivität in den aktiven Gebieten wurde immer interessanter, das ging nur mit den sich seit 1953 laufend verbesserten Magnetographen. Ein täglicher Umbau der sehr unterschiedlichen postfocus-Instrumentation war unmöglich. So entwickelte sich der Einsteinturm zum Magnetographen. Außerdem waren auf Grund der Beobachtungen am Mt. Wilson, Potsdam und der Krim die magnetischen Gesetzmäßigkeiten hinreichend bekannt.

Aber unabhängig davon wurden die Fleckenbeobachtungen fortgeführt und insbesondere nach Freiburg und Zürich, später nach Brüssel, der Standardstation zur Bestimmung der Relativzahl, gemeldet. Integralaufnahmen der ganzen Sonne wurden bis etwa 1990 gemacht, regelmäßig sicher bis 1986. Im Jahre 2000 wurde dann auch die regelmäßige Fleckenbeobachtung eingestellt, im Jahresbericht gibt es dann auch keinen Hinweis mehr auf diese Aktivität. - (Frau Schewe schied aus!)

Würzburg: Dort gab es Sonnenforschung erst von 1979 an mit der Berufung von Franz Ludwig Deubner, mit seiner Emeritierung 1999 wurde sie wieder eingestellt, das Institut für Astronomie wurde mit dem Institut für Theoretische Physik zusammengelegt. Ein typisches Beispiel für die Wirkungsweise einzelner Personen bzw. einer Berufungskommmission. Die Würzburger hatten keine eigenen Instrumente und haben in Capri und auf den Kanarischen Inseln beobachtet, nie jedoch Überwachungsprogramme.

Freiburg: Freiburg ist wohl das Institut, das am intensivsten an Überwachungsprogrammen festgehalten hat. Die  Ursache ist darin zu suchen, dass Freiburg eigentlich zu diesem Zweck gegründet wurde und im Geophysikalischen Jahr eine herausragende Rolle gespielt hat. 1953 wurde Capri gegründet, zunächst mit dem Ziel, die Beobachtungsbedingungen zu verbessern, auch im Hinblick auf das IGJ. Als ich 1961 nach Freiburg kam, habe ich noch auf dem Schauinsland mit dem Spektroheliographen „Kreuzchen“ gemalt. Andererseits war dieses Jahr auch richtungsweisend, denn die radioastronomische Überwachung wurde aufgegeben zugunsten der Vorbereitung für Beobachtungen vom Ballon aus, also höchstauflösende Sonnenforschung. Aber auch nach dem Aufbau des kuppellosen Refraktors auf Capri 1965 wurde der Routinebetrieb fortgesetzt mit Ha- und K-Filter.

Der Wandel in der Beurteilung der verschiedenen Aktivitäten im Institut kommt z.B. darin zum Ausdruck, das bis 1963 die Sonnenüberwachung im Jahresbericht der Astronomischen Gesellschaft an erster Stelle aufgeführt wurde, ab 1965 dagegen an letzter. Mit Ende des Jahres 1974 wurden die „Map of the Sun“ eingestellt. Ich kann mich noch sehr genau an eine Grundsatzdiskussion mit den Herren Kiepenheuer und Bruzek erinnern. Wir hatten erstens Personalprobleme und waren zweitens mit der Darstellung der Karten nicht mehr ganz glücklich. Es ergab sich die Alternative, entweder die Karten wesentlich attraktiver zu machen, oder die Karten ganz aufzugeben. Zwischenzeitlich hatten die „Solar Geophysical Data“ aus Boulder, die wir in der Freiburger Bibliothek seit 1964 haben, einen solchen Informationsgehalt angenommen, ( auch Radiofluß bei 2800 MHz (10.7 cm), Solar X-ray, coronal holes, Magnetogramme und mehr, in Kartenform), dass es ohne extrem großen Aufwand unmöglich erschien, die Erstellung der „map of the sun“  fortzusetzen. Auch die russischen Karten (mit Magnetfeldern) waren seit 1956 bis 1993 auf dem Markt. Wir haben uns für die Einstellung entschieden. Zwei Zyklen waren eigentlich auch genug. Die IAU hat zugestimmt, Proteste blieben weitgehend aus, ich erinnere mich nur an drei Schreiben von Geophysikern, aber nicht von wichtigen Instituten.

1975 starb dann Karl Otto Kiepenheuer und Egon Horst Schröter, aus Göttingen kommend, übernahm die Leitung des Instituts.

Mit dem Aufbau des Observatoriums auf Teneriffa und der Schließung von Capri Mitte der 80er Jahre endete schließlich jegliche eigene Überwachungstätigkeit, die nicht der eigenen Information diente. Freiburg blieb aber weiterhin Sammelstelle und lieferte auf Anfrage entsprechende Informationen. Im Freiburger Jahresbericht von 1993, dem letzten Amtsjahr von Egon Horst Schröter liest sich das so: „Sonnenüberwachung: Folgende Observatorien lieferten uns – wie in den Vorjahren – ihr Beobachtungsmaterial: Athen, Istanbul, Potsdam, Teheran (Fleckendaten), Catania ( Ha- und KII-Filtergramme, Fleckenzeichnungen), Sacramento Peak (Ha-Filtergramme), Wendelstein (Fleckenlisten und Zeichnungen). Dieses katalogisierte Material steht allen Interessenten auf Anfrage zur Verfügung.“

Im letzten Jahresbericht (2000) werden noch immer Istanbul, Potsdam, Rom, Tokio und Catania als Datenlieferanten genannt. Nach persönlicher Rücksprache scheint das aber übertrieben zu sein. Anfragen gibt es auch nicht.

Den Spektroheliographen vom Schauinsland haben wir vor N+1 Jahren der Wilhelm-Foerster-Sternwarte für 100 Jahre überlassen. Was ist eigentlich daraus geworden? (Ich weiß es nicht, werde diese berechtigte Frage aber an den WFS-Vorstand weiterleiten. / Anm. P. V.)

Zugspitze: Hier gab es nach dem Kriege keine systematischen Überwachungsaktivitäten mehr.

Wendelstein: Die Station ging nach dem Kriege letztlich an die Sternwarte München. Bis zur Einstellung der Freiburger Tageskarten (1974) lieferte der Wendelstein Daten für die Photosphäre und die Chromosphäre. Noch Ende 1982 lieferte der Wendelstein Daten über Photosphäre, K3, Ha, flares an 10 Stellen und das Fernmeldetechnische Zentralamt. Seit 1986 findet man im Münchener Jahresbericht keinen Hinweis mehr auf Sonnenbeobachtungen, obwohl wir in Freiburg bis 1994 Daten vom Wendelstein erhielten. In den 80er Jahren wurde der Wendelstein auch zu einer stellaren Beobachtungsstation ausgebaut, 1989 ein 80cm - Teleskop in Betrieb genommen.

Kanzelhöhe: Diese Bergstation bei Klagenfurt ist die einzige Beobachtungsstation im deutschsprachigen Raum, die noch laufend Überwachungsdaten der Sonne gewinnt. Neben Fleckenzeichnungen werden insbesondere H-Serien gewonnen, aber auch Magnetfelder mit einem engen Filter der ganzen Sonne, aber auch Details. Die Kanzelhöhe gehört zur Universität Graz und das Astronomische Institut ist nach der Emeritierung von Hermann Haupt erst kürzlich (1999) mit den Geophysikern zu einem Institut für Geophysik, Astrophysik und Meteorologie zusammengelegt worden. Diese Kombination ist bezüglich der Kanzelhöhe angemessen, andere sonnenphysikalische Beobachtungen werden auf Teneriffa oder La Palma durchgeführt. Es gibt eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit.

Zürich: Bis zum Jahre 1978 hat Max Waldmeier die definitiven Sonnenfleckenrelativzahlen herausgegeben. Für 1979 und 1980 steht der Name Zelenka. In den Publikationen der Eidgenössischen Sternwarte findet man seit 1887 Heliographic Maps of the Photosphere, bis 1978 Waldmeier, 1979 Zelenka, Cortesi, Pittini. In Zusammenarbeit mit der IAU wurden ab 1928 (Brunner) die Quarterly Bulletin bis 1976 herausgegeben, ab 1977 von Tokio, in den letzten Jahren jedoch in abgespeckter Form, sie gibt es aber noch; zumindest bis 1999.

Seit 1980 veröffentlicht das Institut für Astronomie der ETH seinen Jahresbericht in den Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft, seitdem also Jan Olaf Stenflo die Leitung übernommen hat. Aus dem Jahresbericht 1980 zitiere ich: „Sonnenfleckenrelativzahlen: Die Sonnenfleckenrelativzahlen wurden von A.Zelenka, H.U.Keller, S.Cortesi, und A. Pittinni bestimmt. Ab 1981 wurde die Verantwortlichkeit für die Relativzahlen vom Observatoire Royal in Brüssel übernommen, in Zusammenarbeit mit der Specula Vaticana in Locarno (S.Cortesi) und H.U.Keller in Zürich.“ Im Jahresbericht 1981 fehlt jeder Hinweis auf die „Vergangenheit“, die Namen Zelenka und H.U.Keller treten nicht mehr im Personalbestand auf. Aber diese Entwicklung kennen sie sicher besser als ich.

Nachdem ich versucht habe, die Aufgabe der Tageskarten in Freiburg 1974 zu begründen, ist es, so glaube ich, nicht mehr notwendig, das auch für Zürich zu tun. Dazu habe ich außerdem schon in diesem Kreise vor 15 Jahren aus festlichem Anlass Stellung genommen, zur 10. Jahresfeier der „SONNE“ in Berlin. Herr Fischer aus Bonn hat damals darüber berichtet. Ich habe meine Meinung zwischenzeitlich naturgemäß nicht geändert. Darüber hinaus muss ich heute sagen, dass bei der jetzigen Wissenschaftspolitik, wo es immer stärker um die Anwendbarkeit der Forschung geht, und wo jungen (und auch älteren) Wissenschaftlern nur noch Zeitstellen angeboten werden, derartige Routinebeobachtungen kaum finanziert werden würden.

Nur zum Anmerken:

In der Badischen Zeitung fand ich am 16.4.2001 den Satz: „Ein Photoamateur ist einer, der nicht davon lebt, er lebt dafür.“ Angewendet auf uns:

Ein Amateurastronom ist einer, der für die Astronomie lebt,

ein Fachastronom ist einer, der von der Astronomie lebt.

Vielleicht leitet sich daraus die oft unterschiedliche Haltung zu gewissen Problemen ab.

Es ist schön und verdienstvoll, dass Sie einige Aufgaben der Sonnenüberwachung, soweit Sie die Möglichkeit dazu haben, übernommen haben.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

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Letzte Änderung:  2002-09-13 10:53