Manfred Holl (08.05.2002)
Eine Bitte von Andreas Zunker, einen Aufruf für das SONNE-Beobachternetz im Sternkieker, in STERNZEIT und interstellarum zu veröffentlichen, und Michael Schwabs Editorial in der letzten SONNE haben mich doch etwas nachdenklich gemacht: Es ging in beiden Fällen um die zurückgehende Beteiligung an den Beobachtungsprogrammen. Eine Tatsache, die ich auch bei der Hamburger GvA-Sektion Sonne beobachten konnte.
Diese wurde 1993 von mir neu gegründet, da ich der Meinung war, dass es genügend Mitglieder in der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e.V. (GvA) geben müsste, die nach einer sinnvollen Betätigung suchten. Diese Einschätzung war richtig. Unser damaliger Vorsitzender Wolfgang Lille hatte auf vielen Vereinstreffen seine hervorragenden Sonnenbilder präsentiert und dabei leider erreicht, dass viele Mitglieder meinten, nur mit großen Fernrohren könne man die Sonne beobachten. Und da gab es nicht wenige, die meinten, dass sie sich solche Instrumente wie sie Herr Lille in seiner Sternwarte einsetzte, nicht leisten und somit auch nicht die Sonne beobachten könnten. Sie waren dann überrascht, wie man mit kleinen Teleskopen, wie sie privat vorhanden waren, doch sinnvoll unser Tagesgestirn beobachten und an Beobachtungsprogrammen im Rahmen der VdS-Fachgruppe Sonne teilnehmen konnten. Das war eine teilweise recht schwierige Überzeugungsarbeit, aber nach kurzer Zeit schon gehörte die Sektion Sonne zu den aktivsten innerhalb der GvA. Viele ihrer Mitglieder wurden auch in anderen Sektionen aktiv. Seit ein paar Jahren allerdings ist ein beunruhigender gegenläufiger Trend zu verzeichnen, den ich bisher als spezifisch für unsere kleine Beobachtergruppe ansah, der aber auch allgemein sein kann.
Erst starb eines unserer aktivsten Sektionsmitglieder, dann zogen sich andere zurück. Manch einer aus persönlichen Gründen (Heirat), andere wiederum aus nicht klarer Ursache. Es wurden Einführungsveranstaltungen angeboten, aber nicht besucht. Zu theoretischen Veranstaltungen kamen zwischen 0 und 2 Personen, zu den praktischen keiner.
Seit 1993 führten wir monatliche Sektionstreffen durch, sie fanden in unseren Vereinsräumen im Hamburger Planetarium statt. Aber ab etwa 1998 wurde es den Mitgliedern, vor allem im Winter, dort zu kalt. Also verlegten wir unsere Zusammenkünften in ein nahe gelegenes griechisches Restaurant, wohin auch schon ein anderes Vereinstreffen verlegt worden war.
Zu diesem Zeitpunkt allerdings begann der endgültige Abstieg, was damals freilich noch nicht abzusehen war. Mitglieder, die den Umzug ins Lokal gefordert hatten, kamen nicht mehr, andere nicht, weil ihnen das Restaurant nicht gefiel, wiederum andere nicht, weil sie nicht zweimal am Abend essen wollten, oder es ihnen zu teuer wurde. Der Argumente gab es viele, manche allerdings waren kaum nachvollziehbar, mussten aber akzeptiert werden.
Von Anbeginn an hatten wir unser Dezembertreffen in einem Restaurant durchgeführt, was eigentlich auch immer gut ankam. Aber der Gedanke, zu erwarten, dass die Begeisterung ein ganzes Jahr über halten würde, war eine Illusion. Folge: Es kamen immer weniger Mitglieder zu den Treffen, die schließlich ganz eingestellt wurden. Also startete ich eine Umfrage, was nun werden sollte, zumal das Problem bestand, dass wir im Lokal Tische reserviert hatten für eine Zahl von Leuten, die dann nie kamen. Damit haben wir uns mehr als einmal vom Betreiber den Vorwurf eingehandelt, dass er dank der Tatsache, dass unseretwegen anderen Gästen abgesagt wurde, und wir statt mit 8 nur mit 1 bis 2 Leuten kamen, Einnahmeverluste hinnehmen musste, was aus dessen Sicht auch verständlich ist.
Das Umfrageergebnis war nicht eindeutig. Ein Teil der Mitglieder wollte keine Treffen im Winter, andere nicht im Sommer, aber keiner wollte die Einstellung! Es gab nur zwei Monate, in denen alle kommen wollten: April und September. Dass man auf dieser Grundlage keine Planung betreiben kann, bedarf keiner Erläuterung.
Nach einiger Zeit dann kam die Idee auf, unsere Zusammenkünfte wieder im Planetarium abzuhalten, zumal man dort dann auch wieder Vorträge anbieten konnte.
Im Oktober 2001 haben wir dann die Treffen im Planetarium wieder aufgenommen: Es kamen 5 Mitglieder und alle waren sich einig, dass man sich wieder monatlich sehen wollte. Aber schon beim nächsten Treffen im November kamen die, die noch vier Wochen vorher vehement dafür gestimmt haben, nicht mehr, und das blieb auch so bis zum März 2002.
Um neue Beobachter für die Sektion zu gewinnen, hielt ich im Oktober 2001 einen Vortrag auf unserem monatlichen großen Vereinstreffen, dem Klönsnack, auf dem ich auch Werbung für einen Sektionsvortrag im November über Lichtbrücken machen wollte. Dieser Vortrag wurde jedoch torpediert und geriet zu einem Desaster. Neben den ganzen Repressalien, die wir schon zu diesem Zeitpunkt seitens des neuen Planetariumsdirektors Thomas W. Kraupe hinnehmen mussten, wurde von ihm auch noch ein attraktiver Vortrag von Prof. Dr. Übelacker genau parallel zu meinem platziert. Zu alledem wurde jemand damit beauftragt nachzusehen, ob ich überhaupt da sei, der sich im Hause aber nicht auskannte. Es kam, wie es kommen musste, der Betreffende fand mich nicht (und das bei offen stehender Tür!): Nur drei (!) Mitglieder fanden den Weg in unseren Vereinsraum und ich stand wie "klein Doofi" da. Alle Vorbereitungen, das Schreiben und Drucken von Infomaterial, die Herstellung eines selbstgedrehten Videofilms, alles war vergebens, und so fiel natürlich auch die Werbung für das nächste Sektionstreffen ins Wasser. Ich konnte dann vor drei Leuten, die noch nicht einmal sonderlich am Thema Sonne interessiert waren, einen Vortrag halten. Zwar stürmten dann kurz vor Ende meines Vortrages dann plötzlich laut lärmend ca. 20 Leute in den Raum, aber der Abend war hinüber. Zu alledem durfte ich mir vorwerfen lassen, dass ich es nicht erwarten könne, dass man meine Vorträge besucht, wenn gleichzeitig Prof. Dr. Übelacker eine Veranstaltung im Hause abhielt. Spätestens da war für mich klar, dass ich nie wieder Klönsnack-Vorträge halten würde, abgesehen von den bereits angekündigten. Und dieser Abend war dann Monate später mit Ausschlag gebend für meinen Rücktritt von der Kandidatur für den nächsten GvA-Vorstand.
Im Dezember hatte ich dann für unser Weihnachtstreffen im Lokal für 10 Leute reserviert, von denen nur 5 erschienen (ein Mitglied, das sagte, wegen Arthrose in den Beinen die Treppen im Planetarium nicht steigen und somit nicht mehr an den Treffen teilnehmen zu können, meldete sich hier ab, da er zum Kegelabend müsse...). Im Januar waren es dann 2, im Februar 1 und im März wieder 2 Personen, die zu den Treffen erschienen. Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht mehr sinnvoll, Sektionstreffen abzuhalten.
Nachwuchs kann nicht oder kaum gewonnen werden. Alle entsprechenden Aktivitäten sind im Sande verlaufen, und zum Lichtbrückenvortrag kamen außer mir nur zwei weitere Mitglieder, die es zwar nett fanden, etwas erzählt zu bekommen, die aber an den Beobachtungsprogrammen nicht teilnehmen wollten. So habe ich die Sektionstreffen definitiv eingestellt, aber die Sammlung der Beobachtungsdaten und deren Weiterleitung an das SONNE-Datennetz geht natürlich weiter.
Was ich mit meinem kleinen Ausflug in die Geschichte der GvA-Sektion Sinne andeuten möchte: Ich habe den ganz starken Eindruck, dass Sonnenbeoabchtung irgendwie aus der Mode zu kommen scheint ode rbereits gekommen ist. Die Zahl der Sternfreunde, die sich regelmäßig betätigen wollen, geht immer mehr zurück, erstmals in einem April-Monat habe ich jetzt einen starken Einbruch bei den Beobachtungszahlen in der Sektion Sonne festgestellt. Und wenn ich dann Andreas Zunkers Aufruf und Michael Schwabs Editorial nehme, geht zur Zeit trotz anhaltend hoher Sonnenaktivität auch allgemein das Interesse an der visuellen Sonnenbeobachtung zurück. Es ist meiner Meinung nach nahezu vollständig unmöglich, neue Beobachter zu gewinnen. Bisherige Beobachter ziehen sich zurück, neue kommen nicht hinzu, oder können die Zahl der Abgänge nicht mehr auffangen. Von ehemals 10 regelmäßigen Beobachtern der GvA-Sektion Sonne sind im April 2002 nur noch drei verblieben - und dass trotz vergleichsweise guten Wetters in Norddeutschland.
Werner Celnik stellte in der letzten SONNE die Frage, ob die Amateur-Astronomie denn unbezahlbar geworden sei. Die im Deep Sky-Bereich immer mehr ausufernde Gigantomanie bei Teleskopöffnungen scheint bei weniger begüterten Sternfreunden, von denen es angesichts der schlechten Wirtschaftslage in unserem Lande immer mehr gibt, den Eindruck erweckt haben, nur große Teleskope sind für den Beobachter sinnvoll. Und bei Sonnenbeobachtern könnte der Eindruck entstanden sein, dass nur der gut ist, der viele Daten abliefert. Beides ist jedoch falsch: Jedes Fernrohr hat seinen Himmel und jeder, der an Beobachtungsprogrammen teilnehmen möchte, ist willkommen, ganz gleich, ob er 1 oder 30 Beobachtungen pro Monat einreicht. Dieses Prinzip habe ich bei der Sektion Sonne immer beherzigt, und damit sehr gute Erfahrungen gemacht.
Aber was ist die wirkliche Ursache für die überall zu beobachtende, rückläufige Aktivität von Sternfreunden? Darüber kann man wohl nur spekulieren...
© www.SONNEonline.org |
Infos: webadmin@sonneonline.org |
Letzte Änderung: 2002-06-11 16:36 |