Manfred Holl (21.03.2002)
Ende März rief mich einer unserer beiden Leiter der Sektion Öffentlichkeitsarbeit der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V. (GvA) an und bat mich, der B...-Zeitung ein Interview über meine Sonnenbeobachtungen zu geben. Dazu sollte ich zwar den Beobachtungsort von mir zu Hause auf unsere Vereinssternwarte auf dem Flaggenbalkon des Hamburger Planetariums verlegen, aber das wäre kein Problem gewesen. Hintergrund der Geschichte ist, dass eine B...-Zeitungsreporterin eine Artikelserie über Forscher in Hamburg schreiben wollte. Auf Grund der Probleme mit der neuen Leitung im Hamburger Planetarium dachten wir uns, dass ein Bericht in der B...-Zeitung gewisse Vorteile bringen würde. Dass vielleicht nicht alles korrekt im Artikel drin stehen würde, war uns von vornherein klar. Aber wenn berichtet würde, dass auf unserer Sternwarte geforscht würde, hätte das durchaus Erfolg versprechende Aussichten gegenüber einem Direktor, der Nachts unsere Sternwarte beleuchten lässt. Irgendwie kam die Reporterin also auf die GvA und unser Ö-Arbeitsmensch dann auf mich, da ich systematisch Sonnenflecken zähle. Soweit so gut.
Der Vereinskollege teilte mir also den Wunsch der B...-Zeitung mit und am nächsten Abend fand ich auf meinem AB einen Anruf besagter B...-Mitarbeiterin. Sie bat mich, bis 18 Uhr zurück zu rufen, nun gut, es war 17:20 Uhr. Ich rief wunschgemäss zurück, aber unter der angegebenen Nr. lief nur eine Bandansage. Am nächsten Tag das gleiche Spiel noch mal, aber da konnte man sich weder an die Reporterin, noch an das Thema erinnern...
Ich dachte schon, da hat sich wohl jemand einen Jux erlaubt. Dann kam etwa zwei Wochen später ein er-neuter ein Anruf der Reporterin, die einige Infos von mir haben wollte. Als ich ihr erst einmal sagte, das ich Sonnenflecken zählen wurde, fragte sie: "Was ist denn das? Haben Sie die entdeckt?" Meine Antwort war, dass ich die Flecken zähle und dann in ein Beobachternetz einfließen lasse. Sie fragte, ob ich da schon "mal was ganz Aufregendes und Spektakuläres entdeckt habe."
Meine Antwort: "Nun ja, Sonnenflecken sind immer irgendwie interessant und spannend zu verfolgen. Und dass ist schließlich wissenschaftliche Grundlagenarbeit." Da kam dann erst mal Sekunden lang nichts mehr. Ich dachte, sie hätte bereits aufgelegt, dann die Antwort: "Das ist aber wenig spektakulär, oder? Sie haben nicht zufällig auch einen Planeten oder so was entdeckt?" "Nein habe ich nicht", antwor-tete ich. "Na, dann kommen Sie für uns eher nicht in Frage, wir suchen Forscher, die auch was Richtiges entdeckt haben..."
Immerhin, hätte ich Galilei, Scheiner und all die andern unterschlagen und behauptet, ich sei der Entdecker der Sonnenflecken, dann wäre es wohl etwas geworden mit dem Pressebericht über die GvA. Die Erwähnung, dass ich auch Mitglied des SONNE-Redaktionsstabes sei, machte da keinen Sinn mehr, zumal das Gespräch dann auch sehr schnell zu Ende war. Mit dem Thema Lichtbrücken, das ja wirklich auch in Hamburg erforscht wird, wäre die Reporterin sicherlich nicht mehr fertig geworden. Pressearbeit kann sehr schön und erfolgreich, sie kann aber auch sehr unbefriedigend sein, so wie in diesem Fall.
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Letzte Änderung: 2002-06-10 16:59 |