Thomas Grünberger
Vor etwa 11/2 Jahren entdeckte Martin eine Seite im Internet, auf der ein Charterflug nach Lusaka, Sambia zu einem recht günstigen Preis angeboten wurde. Daraufhin trug ich mich in die dortige Anmeldeliste für dieses Unternehmen unverbindlich ein. Die Zeit verging wie im Flug und wenige Monate vor der Finsternis bekam ich schriftliche Informationen per E-mail zugesandt, die das "Abenteuer" beschreiben. Alle Formalitäten wurden in diesen Monaten absolviert, auch die Überweisung des Geldes. Somit bekam ich als einer unter 264 Passagieren mein Ticket vier Wochen vor Reisebeginn zugeschickt.
Nach wochenlanger Vorbereitung ohne jegliche Tests und intensiver Literaturstudie (Internet, Totality - Eclipses of ihe Sun) rückte das Abenteuer Sonnenfinsternis immer näher. Schon im voraus wurde die Ausrüstung zusammengestellt, diverse Adapter, Hülsen, Abstands- und Befestigungsstücke gefertigt, um einen reibungslosen Ablauf ohne etwaige Zwischenfälle zu gewährleisten. Auch die langandauernden nächtlichen Gespräche mit Martin Hörenz über die Ausrüstung, das Belichtungsprogramm und die Stellung des Teleskops zur Totalität brachten Licht in das Dunkel. Nur diese Vorüberlegungen und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema "Totale Sonnenfinsternis" ließen das Unternehmen glücken. Doch nach vielen endlosen Nächten ohne Schlaf war es dann endlich so weit.
Am Abend des 19. Juni 2001 brachte mich meine Mutter zum Bischofswerdaer Bahnhof, von wo aus der Zug 18.06 Uhr nach Dresden Hbf fuhr. Mit knapp 10 kg Handgepäck und _12 kg im Koffer ging es bei bedecktem Himmel weiter nach Leipzig und anschließend mit dem Euro-Night nach Wien Westbahnhof, wo ich am 20. Juni 07.50 Uhr eintraf. Endlich angekommen, ging ich schleichend, vor Schmerz in den Händen durch die Bahnhofshalle zum Shuttlebus, welcher mich zum Flughafen -Vienna International Airport" brachte. Die erste große Hürde war genommen und ich war endlich nach 15-stündiger Fahrt am Ausgangspunkt für den Lusakatrip angelangt. Atemberaubend und kaum der Worte mächtig erstarrte ich halb, als ich die 99 CheckIn Schalter erblickte. Alle fünf Minuten startete oder landete eine Maschine, ob Jumbo oder Segelflieger, ich war fasziniert.
Nach ausgiebiger Besichtigung des Flughafengeländes trafen auch die ersten
Sofi Teilnehmer gegen 11.30 Uhr am CheckIn Schalter ein. Ab 14.55 Uhr konnte
man alle Formalitäten (Flugticketkontrolle, Gepäckabgabe) am Schalter
durchführen. Während dieser langen Wartezeit, bis wir endlich in die
Maschine konnten, wurden neue Bekanntschaften geknüpft, und die Teilnehmer
kamen miteinander ins Gespräch. Gegen 17.00 Uhr nahm ich meinen Platz im
Flieger, des Airbus A340-300 ein, welcher sich auf der rechten Seite kurz vor
den Tragflächen befand. Nun begrüßte uns Walter Max Schwendenwein,
Linienpilot bei Austrian Airlines mit folgenden Worten: "Ich freue mich,
Sie an Bord zu haben. Willkommen bei uns zum Flug zur Sonnenfinsternis. Wir
sind 264 Passagiere an Bord, wir haben 88,5 Tonnen Sprit getankt. und unser
Startgewicht beträgt 288 Tonnen. Unsere Flugzeit beträgt heute 8 Stunden
45 Minuten, somit können wir uns die 25 Minuten Verspätung leisten.
Das Flugzeug ist in bester Ordnung, Ihre Geräte sind an Bord. Wir hoffen
alles läuft so ab wie wir uns das gedacht haben." Um 18.30 Uhr hob
die Maschine mit 270 km/h vom Flughafen Wien ab. Alle jubelten und applaudierten
über den geglückten Start. Nach cirka einer Stunde Flugzeit bei atemberaubender
Sicht über der Adria wurde uns das Abendessen vom Bordpersonal überreicht.
Da ich einen hervorragenden Sitzplatz hatte, konnte ich sogar in 10100m Höhe
den Sonnenuntergang bei strahlend blauem Himmel genießen. Als die Dunkelheit
über uns hereinbrach bot sich mir ein Sternhimmel. wie ich ihn noch nie
zuvor gesehen habe. Ich durfte um ersten mal in meinen Leben das Sternbild des
Scorpions in seiner völligen Gesamtheit bewundern und Venus begleitete
uns ebenfalls. Kurz vor der Landung in Lusaka gab es noch einen kleinen Happen
zu essen. Erster Offizier Walter Max Schwendenwein gab uns noch einmal das aktuelle
Wetter bekannt: "Windstill, wolkenloser klarer Himmel, Luftdruck 1025
hPa und die Temperatur 8'C." Nach einer kleinen Umkreisung von Lusaka,
welche 1,4 Millionen Einwohner zählt, landeten wir mit etwa 12 Minuten
Verspätung um 03.15 Uhr am 21. Juni auf dem sehr gut ausgebauten Rollfeld.
Vom Bordpersonal bekamen wir noch eine Flasche Wasser für den Tag überreicht.
Wir verließen das Flugzeug, und ich konnte zum ersten mal afrikanische
Luft atmen. Herzlichst wurden wir von der einheimischen Bevölkerung begrüßt.
Die Formalitäten, d.h. die Bezahlung der Einreisegebühr und die Gepäckentgegennahme
folgte. Anschließend ging es mit schwerem Gepäck in der Hand zu unserem
eigentlichen Beobachtungsplatz, welcher eine Fläche von ca. 3000M2 hatte.
Es war ebenes Gelände, leicht bewachsen. Alle starrten, wie sollte es auch
anders sein nach oben, um den Kometen Linear A2, welcher eine Helligkeit von
3,3 mag hatte, zu beobachten. Wunderschön mit bloßem Auge war auch
der leichte Schweifansatz zu erkennen. Trotzdem Lusaka ist nachts auch sehr
stark beleuchtet, so dass Deep-Sky Beobachtungen nur außerhalb der großen
Städte erfolgen kann.
Die Zeit verging sehr schnell, und gegen 06. Uhr morgens setzte die Dämmerung
ein. Alle standen mit ihren großen Objektiven, welche auf die Sonne gerichtet
waren, und sehnten sich nach dem Sonnenaufgang bei klarstem Himmel. Selbst so
ein Anblick der aufgehenden Sonne bei einem fantastischen Wetter und dieser
trockenen Luft und mit einer afrikanischen Kulisse ist schon ein Erlebnis für
sich. Nun wurde es langsam wärmer und gegen 07 Uhr morgens des 21. Juni
2001 baute ich meine Gerätschaften auf. Nach etwa drei Stunden waren die
Geräte komplett montiert und so gut wie möglich ausgerichtet. Die
Afrikaner wollten am heutigen Tag ein richtiges Volksfest veranstalten. Zelte
wurden extra von ihnen aufgeschlagen, der Grill wurde angeworfen und ein einheimischer
Moderator begrüßte alle Sonnenfinsternishungrigen hier in Lusaka,
Sambia. Die Wiese war brechend (etwa 2500 Menschen) voll und wenige Minuten
vorm 1. Kontakt landeten noch Maschinen auf dem Flughafen. Der Augenblick des
Beginns der Finsternis rückte deutlich näher, die Begeisterung und
die Freude der Menschen nahm allmählich zu, was jeder einzelne Teilnehmer
innerlich zu spüren bekam. Und genau um 13.42 war es so weit, der Mond
knabberte die Sonnenscheibe an und der Moderator schrie: "The total eclipse
has begun". Jubel und Heiterkeit brach unter der Bevölkerung aus,
als man ihnen Sonnenfinsternisbrillen zur Beobachtung gab. Während der
partiellen Phase, die etwa 90 Minuten dauerte fertigte ich mit 2000mm und 500mm
Übersichtsaufnahmen an. Die Zeit verging sehr schnell und man kam teilweise
mit den Afrikanern ins Gespräch. Etwa 15 Minuten vor dem 2. Kontakt bemerkte
man eine leichte Helligkeitsabnahme. Selbst dieses außergewöhnliche
Schauspiel der Natur ließ sich der Sambesische Präsident Dr. Frederick
Chiluba nicht entgehen, welcher mit Polizeieskorte etwa 10 Minuten vor der Totalität
ankam. Alle blickten vor größter Neugier gen Himmel als es nur noch
3 Minuten bis zur Totalität waren. Die Stimmung stieg ins unermessliche,
die Menschen wurden immer lauter, jubelten und weinten vor Freude zugleich als
die letzten Sonnenstrahlen uns erreichten. Jetzt wurde die Sichel allmählich
abgeschnürt, die einzelnen Perlen wurden sichtbar, die sich aber sehr schnell
auflösten. Die Filter hatte ich schon eher abgenommen. Jetzt stieg der
Lärmpegel nochmals deutlich an als der Diamantring in Erscheinung trat.
Die Chromosphäre kam zum Vorschein und mit ihr die Protuberanzen und die
Innere Korona. Die Massen tobten vor Freude und ich hatte alle Hände voll
zu tun, um meine beiden Belichtungsprogramme exakt abzuarbeiten. Die äußere
Korona trat sehr schnell in das Blickfeld des Beobachters, welche sehr große
Ausmaße hatte und hervorragend strukturiert war. Die einzelnen Streamer
konnten kaum gezählt werden, so viele waren es. Drei relative große
Protuberanzen, davon eine schwebende waren sichtbar. Die Dunkelheit war extrem,
so dass ich Merkur und Jupiter sofort erblicken konnte. Der Horizont zeigte
sich in gelblich rötlichen Farben. Doch wie so immer, vergehen diese kostbaren,
außergewöhnlichen und seltenen Sekunden sehr schnell und die Chromosphäre
auf der anderen Sonnenseite wurde schon wieder sichtbar. Schlagartig erschien
der Diamant und die Erde bekam wieder ihr nötiges Sonnenlicht.
Atemberaubend und kaum der Worte mächtig, überwältigt von diesem
Szenarium sagte ich innerlich zu mir: "Wo ist die Nächste." Die
Spannung war genommen, der Puls raste aber weiterhin und ich saß völlig
erschöpft in meinem Stuhl. Trotzdem wurden noch die Aufnahmen der partiellen
Phase absolviert. Die meisten Teilnehmer packten kurz nach der Totalität
schon ihre Ausrüstung zusammen. Ich war mit Rainer Klemmeinem Amateurbeobachter
aus Passau einer von wenigen, die den 4. Kontakt, als der Mond die Sonne um
16.27 Uhr wieder frei gab, bestaunen durften. Mein Programm, was ich mir vorgenommen
hatte, hat bis auf kleine Nuancen perfekt funktioniert und ich würde es
wieder so machen, wenn die Finsternis länger andauert. Alles in allem,
ein riesiger Erfolg für alle Teilnehmer des Charterfluges.
Nun kam unter uns Hektik auf, und ich packte die sehr staubigen Gerätschaften in den maßgeschneiderten Reisekoffer. Per Auto ging es zu viert zum Flughafen zurück, wobei ich noch einige Blicke dem Beobachtungsplatz schenkte, der durch diese Aktion sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war. Die Schlange am CheckIn Schalter in Lusaka sprengte fast die Räumlichkeiten, und endlich nach einer Stunde anstehen übergab ich mein Gepäck dem Servicepersonal und bezahlte gleichzeitig die Ausreisegebühr. Man muss dazu sagen, das es auf solch einem Flughafen keine Computertechnik gibt, sondern alles in Form von kleinen Zetteln und mit Hilfe eines Stempels erledigt wurde. Und man sollte es nicht glauben, es funktionierte perfekt, und die Abfertigung dauerte nur halb so lang wie in Deutschland. Total übermüdet und völlig erschöpft saßen alle Teilnehmer im Aufenthaltsraum des Flughafens. Einige unter ihnen kauften Souvenirs und verschickten Postkarten. Um 20.00 Uhr durften wir wieder ins Flugzeug, wo uns das Bordpersonal schon erwartete. Kapitän Baumgartner und erster Offizier Walter Max Schwendenwein begrüßten uns alle wieder an Bord. Die Route sollte die gleiche sein wie auf dem Hinflug. Man teilte uns eine Flugzeit von 9 Stunden und 25 Minuten mit. Das schien aber allen Passagieren egal zu sein, denn wir waren alle nur müde und wollten schlafen. Um 20.42 Uhr hob der Flieger mit einer Geschwindigkeit von 360 km/h von der Rollbahn ab. Kurz nach dem Start richtete der Pilot Schwendenwein noch einige Worte an uns: "Wir hoffen, dass Sie in den paar Stunden bis Wien Ruhe finden, es war doch ein anstrengendes Programm bis jetzt, aber soviel ich gesehen und gehört habe, ist alles sehr gut gelaufen und wir alle freuen uns, dass wir eine wunderschöne Sonnenfinsternis gehabt haben. Ich möchte mich bei allen bedanken, denn auch ohne Sie wäre dieser Flug nicht möglich gewesen."
Nach dem Abendessen legte ich mich zur Ruhe und schlief vor Freude. und Glück beruhigt ein. Gegen fünf Uhr morgens wachte ich bei wunderschönem klaren Wetter auf und ich durfte anschließend den Sonnenaufgang aus dem Flieger bewundern. Der Pilot verabschiedete sich mit folgenden Worten von uns: "Ich möchte mich bei Ihnen allen nochmals bedanken, dass Sie mitgeflogen sind. Ich hoffe, es war ein wunderschönes Erlebnis. Kommen Sie gut nach Hause. Vielen Dank."
Die Landung in Wien um 05.37 Uhr war traumhaft, trotz des schlechten Wetters.
Piloten und Crew verabschiedeten sich von uns ganz persönlich. Ich nahm
mit Rainer mein Gepäck am Schalter entgegen. Anschließend fuhren
wir zusammen nach Passau in die Sternwarte. Dort durfte ich mir die Finsternisfleckengruppe
nochmals durch einen 180mm Starfire Astro Physics Refraktor anschauen. Gegen
10 Uhr brachte er mich noch nach kurzer Stadtbesichtigung zum Passauer Bahnhof.
Mit der Bahn ging es dann in Richtung Heimat und gegen 21 Uhr am 22 Juni 2001
holten mich die Eltern vom Bischofswerder Bahnhof ab.
Wer Interesse an solch einem Unternehmen gefunden hat, der kann sich auf der
Webseite www.astronomy-travel.com weitere Informationen einholen.
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Letzte Änderung: 2002-06-10 16:50 |