Sonnenbeobachtung

Sonnenbeobachtung im Winter

Manfred Holl 29.12.2001

In den Wintermonaten die Sonne beobachten und auch noch Relativzahlen bestimmen zu wollen, grenzt beinahe schon an Blasphemie und Größenwahn, zumal gegenwärtig die Sonnenaktivität hoch ist und man interessante Aktivitätszentren verfolgen könnte. Die tief stehende Sonne ist zumeist durch Bäume oder Häuser verdeckt, oder man hat andere widrige Umstände in Kauf zu nehmen. Dass viele Sonnenbeobachter in dieser Zeit ihr Teleskop einmotten, ist nur allzu verständlich. In der Woche, wenn man arbeiten muss, ist es natürlich klar, am Wochenende nicht. Aber selbst wenn es dann klar ist, ist einem die Beobachtung keineswegs sicher. Was, das glauben Sie nicht? Hier drei Beispiele: 9. Dezember 2001 Heute morgen schaute ich kurz nach 7 Uhr aus dem Fenster und sah den Mond unter einen absolut klaren Himmel. Ich hoffte schon, dass ich vielleicht heute doch mal die Sonne würde beobachten können. Im Radio erzählten sie was von einer aus Norden heran rückenden Wolkenschicht. Die Sonne stieg höher, ich frühstückte, die Sonne kletterte noch höher und ich baute meinen kleinen 80/400er Refraktor von seinem Tischstativ los, verpackte alles in meinen Rucksack, da ich derzeit die Sonne nur von einem nahen Spielplatz aus erreichen kann. Die Sonne stieg immer noch höher, schon konnte ich ihren oberen Rand über dem Dach meine Nachbarhauses erkennen - und auf dem Spielplatz waren auch schon die ersten Flächen beleuchtet. Nur noch ein wenig warten und - was war das? Neeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnn! Die Wolken kamen und schoben sich vor die Sonne.................. Zwischendurch klarte es immer wieder mal für kurze Momente auf. Jedes Mal, wenn ich aufsprang, die Stiefel überziehen wollte, kamen wieder Wolken. Die Lücken wurden kleiner und ab Mittag war hier wieder alles zu. Also schon wieder keine Beobachtung (die letzte war am 10.11.), und dann bekam man noch Anrufe, in dem man gefragt wurde, ob man auch die Sonne beobachtet hat, weil man gerade eben so toll Flecken und Protuberanzen beobachten konnte............ Kein Wunder, dass mancher annimmt, im Norden interessiert sich niemand für Astro. Dabei ist der Wille zur Beobachtung eigentlich vorhanden, aber das Wetter hier wie immer gnadenlos schlecht. Nix Saturnbedeckung, keine normale Beobachtung, keine Sonne, einfach nix. Aber vielleicht sollte man sich hier eher von der praktischen Beobachtung verabschieden und sich theoretischen Themen zuwenden. Die sind wenigstens vom Wetter unabhängig. 15. Dezember 2001 Manche Tage sind einfach dazu da, gleich von vornherein aus dem Kalender gestrichen zu werden. Heute war wieder so einer. Nicht nur, dass ich hinsichtlich der Ausbeute an Sonnenbeobachtungen mit Abstand das schlechteste Jahr seit Beginn meiner Beobachtungen 1979 durchlebe, nein, es werden einem auch konsequent alle Chancen genommen, an diesem Zustand etwas zu ändern. Doch der Reihe nach: Heute morgen war der Himmel locker bewölkt, dann klarte es immer weiter auf, die Sonne stieg, nein, sie kroch am Himmel langsam höher, es wurde immer wolkenfreier. Ab etwa kurz nach 12 Uhr kann ich im Winter - theoretisch - für etwa eine halbe Stunde beobachten, weil zu diesem Zeitpunkt die Sonne genau zwischen zwei größerem Bäumen steht. Danach, also wenn der zweite Baum überwunden ist, kommt ein Hochhaus und spätestens mit Eintauchen in die Silhouette des zweiten Baumes ist für den Rest des Tages keine Beobachtung mehr möglich. Zumindest nicht von der Fensterbank in meiner Küche aus, auf das ich meinen kleinen 80/400-Refraktor stelle. Die halbe Stunde würde für eine Relativzahl völlig ausreichen. Doch je näher der anvisierte Zeitpunkt rückte, desto mehr Wolken und Syph kamen wieder auf und pünktlich, es würde nur noch weniger Augenblicke dauern, bis die Sonne hinter dem störenden ersten Baum hervorkäme, waren wieder alle Wolken da. Das dauerte etwa eine dreiviertel Stunde. Danach stand sie hinter dem zweiten Baum und: Es klarte partiell wieder auf, später war sogar der ganze Himmel zeitweise wolkenlos! Ich hätte da zwar prinzipiell zwei Ausweichbeobachtungsplätze, aber auf einem (Dachboden) wird seit ca. 2 Jahren irgendwas gearbeitet (keiner weiß was) und der Spielplatz, den ich sonst aufsuchte, war seit ein paar Tagen für die Öffentlichkeit gesperrt, da unbelehrbare Hundehalter ihre Tiere direkt neben dem Schild "Hunde unerwünscht" von der Leine lassen und diese dann ihren Darminhalt in die Sandkisten entleeren. Nun war da ein Gitter und Vorhängeschloss davor und der Platz durfte nur noch betreten werden, wenn Aufsichtspersonal da ist. Und das kommt nur montags bis freitags... 27. Dezember 2001 Eigentlich war heute nicht mehr damit zu rechnen, dass die Sonne überhaupt noch zu beobachten wäre. Heftige Schneeschauer, Sturmböen und Regen schlugen den ganzen Vormittag wie verrückt gegen meine Fensterscheiben. So einen Tag nach Weihnachten ein Geschenk in Form eines klaren Himmels zu erwarten, war auch ein bisschen viel verlangt. Dann plötzlich riss die Bewölkung von Norden her kommend vollkommen auf. Mein Pulsschlag stieg, ich bereitete alles für eine Sonnenbeobachtung vor, baute meinen 80/400er-Refraktor auseinander und verstaute ihn mitsamt einem Schreibblock in meinen Rucksack. Nun hieß es nur noch beten und hoffen. Der freie Teil des Himmels kam immer näher, noch würde ich die Sonne erreichen können. Jetzt, gegen 14 Uhr, stand sie so tief, dass ich eine weitere Lücke in meinem Baum, die sich dank Sturm ergeben hatte, nutzen konnte. Die wolkenfreie Zone bewegte sich immer weiter auf die Sonne zu. Ich also rein in meine Stiefel, dicke Winterjacke über und, nein, das darf doch nicht wahr sein, das kann es einfach nicht sein. Gibt es denn nur noch Murphys. Was habe ich verbrochen, dass ich so hart bestraft werde. Ist es der bloße Gedanke an eine Beobachtung, oder verlange ich vom Leben einfach zu viel? Die Bewegung der wolkenfreien Zone war kurz vor der Sonne zum Erliegen gekommen. Es war ein Anblick, der einen Teller an die Wand werfen lassen könnte. Nördlich, also rechts von mir, absolut klarer Himmel, südlich, d.h. links, der Wolkensyph, und die Sonne knapp am Rande davon, aber IM Syph. Ein Blick zeigte mir, dass es keinen Sinn machen würde, einen Ausweichplatz aufzusuchen, da keiner von denen im Sonnenschein lag. Warum nur immer diese Murphys, warum? Und etwa 10 Minuten später war alles wieder zu und es fing wieder leicht an zu schneien. Wieder keine Beobachtung, wieder nur Frust. Ach so, Relativzahlen habe ich tatsächlich noch bestimmen können, , man sollte es nicht für möglich halten: Einmal im November und 4 mal im Dezember – fantastische Ausbeute...

Manfred Holl, Friedrich-Ebert-Damm 12a, 22049 Hamburg, Email: m.holl@t-online.de ¤