von Peter Völker
Andreas und Mareile Zunker richteten mit großem Erfolg die 25. Tagung
der VdS-Fachgruppe Sonne aus. Am Himmelfahrts-Wochenende 2001 wurde in Schwäbisch
Gmünd vorgetragen, beraten, beobachtet, gefachsimpelt und gefeiert. Alles
war bis aufs i-Tüpfelchen organisiert und klappte reibungslos. Thomas Wolf
hat darüber in SONNE 98, Seite 35 berichtet. An dieser Stelle sei den beiden
Ausrichtern noch einmal herzlich gedankt mit einem Ausruf aus der Fernseh-Mottenkiste:
"Das war Spitze!"
Auf der SONNE-Redaktionssitzung in Schwäbisch Gmünd wurden einige
Personalwechsel vollzogen.
Martin Dillig übergab die Herausgabe der Provisorischen Relativzahlen an
Andreas Bulling. Martin hatte im Juli 1984 die ersten "Provis" herausgegeben
und das bis zum Dezember 2000 fortgeführt - Monat für Monat, insgesamt
in knapp 200 Ausgaben! Ich danke Martin Dillig im Namen aller SONNE-, aber auch
aller SuW-Leser für diese Leistung und wünsche Andreas Bulling das
gleiche Durchhaltevermögen.
Siegfried Gonzi übertrug die Auswertung der "Neuen Relativzahlen"
nach acht Jahren an Thomas Wichary. Danke, Siegfried, und Herzlich Willkommen,
Thomas.
Gerd Schröders Tageskarten-Arbeit habe ich bereits im Editorial des Heftes
96 (Dezember 2000) gewürdigt. Er führte die Tageskarten bis Dezember
fort, so dass sie vollständig im "SONNE-Datenblatt" 2000 erscheinen
konnten. Ebenfalls zum Jahresende stellte Ivan Glitsch seine
H-alpha-Tageskarten-Produktion ein. Leider, leider, denn die Qualität seiner
Zeichnungen begeisterte jeden und bleibt unerreicht. Danke, Ivan Glitsch!
Das "SONNE-Datenblatt" produziert jetzt Rico Hickmann, und Martin
Hörenz übernimmt zum Januar 2002 die redaktionelle Verbindung zum
"VdS-Journal für Astronomie".
Wie die beiden Letztgenannten, so stammt auch Thomas Grünberger aus dem
Kreis der Sonnengruppe der Radeberger Volkssternwarte "Erich Bär".
Er übernimmt zum 1. Januar 2002 das "SONNE-Finanzministerium".
Robert Hilz geht nach 16 Jahren in "SONNE-Rente". Nach derart langer
Zeit als zuverlässiger Finanzminister möchte ich ihm nicht nur danken,
sondern wir wollen lauthals ein dreifach "Hoch" ausrufen, "gut
gemacht!"
Die Stunde des Abschieds naht nun auch für mich. Ich will hier nichts wiederholen,
denn unsere eigene Geschichte ist in SONNE 1 bis 100 nachzulesen. Ich möchte
vielmehr eine kurze Reise in die Zeit vor der VdS-Fachgruppe Sonne antreten
und einige unserer erreichten Leistungen mit denen unserer Altvorderen und ähnlicher
bestehender Gruppen vergleichen - eine erste "historische Einordnung"
versuchen, wenn man so will.
Ernst Jochen Beneke (Schwäbische Sternwarte, Stuttgart) sprach auf der
Würzburger Frühjahrstagung 1971 diverse Beobachter an. Er war damals
Mitglied des VdS-Vorstandes und der hatte beschlossen, Fachgruppen zu gründen,
zu aktivieren oder zu reaktivieren. Das Ergebnis war eine Adressenliste in SuW
8-9 / 1971 (Abb. 1). Die Absicht war, an alte Traditionen anzuknüpfen.
Es ist ja bekannt, dass die erste überregionale Arbeitsgruppe von Amateursonnenbeobachtern
im Rahmen der Gründung der V.A.P. (Vereinigung von Freunden der Astronomie
und kosmischen Physik / Vorläufer der VdS) am 19.Mai 1891 ins Leben gerufen
worden war. Ihr Leiter war Wilhelm Foerster (nach K.-H. Tiemann / Foerster-Biograph).
Als Sonnengruppe der GEDELIA (Gesellschaft der Liebhaberastronomen) gründete
H. H. Kritzinger 1917 die DARGESO (Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Sonnenbeobachtung),
die von W. Voß (Altona) und Günther von Stempell (Berlin) geleitet
wurde. Von Stempell tat das 24 Jahre lang, bis zu seinem Tode 1941. Es folgten
Richard Sommer und Diedrich Wattenberg, die die Arbeit der DARGESO 1965 / 66
einstellten. Näheres über die DARGESO lesen Sie in SONNE 40, S. 118
(Dezember 1986) und in SONNE 54, S. 46 (Juli 1990).
Ab 1971 - siehe oben....

Wenig später kam die Idee zur Gründung des Mitteilungsblattes SONNE
auf, die Rainer Beck einbrachte. Eine eigenständige VdS-Publikation gab
es zu der Zeit nicht, die ehemaligen "VdS-Nachrichten" waren in SuW
integriert, und dort wurde ohne Autorenrücksprache gekürzt, weggelassen,
wurden stillschweigend Artikel nicht veröffentlicht, die Wartezeit betrug
oftmals Jahre, kurzum: übel zensiert. Das änderte sich erst, als Jakob
Staude 1982 die SuW-Redaktion übernahm.
Nahezu zeitgleich zu SONNE entstand am 1. Mai 1977 im anderen Teil Deutschlands
der AKS (Arbeitskreis Sonne) im Kulturbund der DDR, der bis heute als AKS im
Kulturbund e.V. weiter besteht. Es entwickelten sich bald lebhafte Kontakte,
Beobachtungsaustausch wurde gepflegt, zum Teil entstanden enge private Freundschaften
- über Mauer und Stacheldraht hinweg.
Schauen wir uns die Arbeitsmethoden seit 1891 an.
Über Wilhelm Foersters Sonnengruppe ist mir - außer dem Gründungsakt
- nichts bekannt. Hier muss noch in alter Literatur nachgeschaut werden.
Die DARGESO sammelte lediglich Relativzahlen, die sie nach Zürich zur Auswertung
schickte, wobei aber nur "Zürcher Fehltage" durch Amateurbeobachtungen
aufgefüllt wurden. Gelegentliche Berichte im "Sirius" und in
"Die Sterne" ergänzten die Arbeit. Erst ab 1946 wurden die DARGESO-Beobachtungsdaten
selbst ausgewertet und in Jahresberichten veröffentlicht. Hierzu stellten
in den folgenden 20 Jahren im Durchschnitt 17 Beobachter insgesamt ca. 40.000
Beobachtungen der Sonne für die Auswertung zur Verfügung. Einer Andeutung
Wattenbergs zufolge waren etwa 85 % aller Tage mit Beobachtungen belegt.
Schauen wir in die Gegenwart.
Das SONNE-Relativzahlnetz belegt seit 1981 bis heute lückenlos, also ohne
Fehltage, die Sonnenaktivität mit Sonnenfleckenrelativzahlen. Im Durchschnitt
beteiligten sich 124 Personen aus ca. 20 Ländern der Erde pro Jahr daran.
Diese haben bis Ende 2000 - also wie oben in 20 Jahren - 285.247 Beobachtungen
zur Auswertung beigetragen, das sind im Durchschnitt 40 Relativzahlen pro Tag,
14.262 pro Jahr (Tabelle 1).
In 99 SONNE-Heften 1 bis 100 (Nr. 17 / 18 war eine Doppelausgabe) wurde auf
3791 Seiten alles rund um die Amateursonnenbeobachtung veröffentlicht:
Flecken, Fackeln, Protuberanzen / Filamente, Lichtbrücken, Fotografie,
Differentielle Rotation, Positionsbestimmungen, Synoptische Karten, Schmetterlingsdiagramme,
Sonnenfinsternisse, Literatur-Archiv usw.
Detaillierte Daten bringt das "SONNE-Datenblatt" (siehe oben), gegründet
von Jost Jahn.
Der Anfänger findet in Wolfgang Paechs "Einführung in die Sonnenbeobachtung"
das notwendige Rüstzeug für den Einstieg.
Andreas Bulling veröffentlicht die Provisorischen Relativzahlen in SuW
monatlich (siehe oben) und Michael Delfs die Vierteljahresberichte.
In "Ahnerts Astronomischem Jahrbuch" sind wir mit zwei Beiträgen
vertreten: einem wechselnden Schwerpunktbericht als Monatsthema und dem Jahresrückblick.
Wir publizieren im "VdS-Journal für Astronomie" und werden es
in Zukunft verstärkt tun.
Wir haben zwei Auflagen des "Handbuch für Sonnenbeobachter" veröffentlicht,
welches noch als U.S.-Ausgabe mit dem Titel "Solar Astronomy Handbook"
bei Willmann-Bell erhältlich ist.
Dazwischen lag das Sonnenkapitel im "Handbuch für Sternfreunde"
(4. Auflage 1989, Herausgeber: G. D. Roth), welches in den U.S.A. als "Compendium
of Practical Astronomy" herauskam (beide im Springer-Verlag).
Und schließlich gibt es das aktuelle Buch "Die Sonne beobachten"
im Verlag Sterne & Weltraum.
Ich denke, wir decken sehr viele Bereiche ab, um interessierte Beobachter zu
erreichen, sie zu beraten sowie zur eigenen Mitarbeit anzuregen und einzuladen.
Und wir brauchen auch den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Blicken
wir auf die große AAVSO / Solar Section (gegründet 1944) oder die
altehrwürdige B.A.A. Solar Section, zu unseren Freunden in der Schweizerischen
SAG oder nach Polen: überall sind es 50, 60, 70 Beobachter, die ihre Daten
einbringen. Selbst das professionelle SIDC-Netz reicht an unsere Personenzahl
nicht heran. Wie ich im Scherz immer sage: "Wenn sich nicht herausstellt,
dass in den Tiefen des unzugänglichen Amazonas-Dschungels, in den Weiten
der sibirischen Tundra und Taiga oder in der Milliarden-Bevölkerung der
Chinesen Sonnengruppen mit mehr Beobachtern aktiv sind, die aber nichts veröffentlichen,
und wenn wir der astronomischen Profi- und Amateurliteratur, die wir überblicken,
glauben dürfen, so ist die VdS-Fachgruppe Sonne die stärkste der Welt.
"Da hat der Fachgruppenleiter der VdS-FG Sonne in den 31 Jahren seiner
Tätigkeit aber viel geschafft." ... "???" ... "Eben
nicht!"
Als wichtigster Einschnitt in diese "Leiter"-Funktion ist 1977 zu
nennen, als der Fachgruppenleiter der VdS-FG Sonne abgeschafft und durch ein
Team ersetzt wurde, dessen Mitglieder über eine Kontaktadresse zu erreichen
waren. Motor dieses Gedankens waren die Bonner, Bremer und Berliner Sonnenbeobachter,
unterstützt von den Stuttgartern, Darmstädtern sowie einigen "Einzelkämpfern".
Jeder war damals bereit, seine Eitelkeit hintanzustellen und im Team zu arbeiten.
Wenn ich hier für die VdS-Fachgruppe Sonne eine positive Bilanz ziehe,
insbesondere der letzten 25 Jahre des Mitteilungsblattes SONNE, dann betrifft
es das Prinzip Teamwork, das geglückt ist und das gewonnen hat. Und zwar
in bemerkenswertem Ausmaß.
Die 285.247 Beobachtungen beweisen, dass es sich lohnt, an den Fernrohren zu
bleiben. Auch wenn es nervt, im Minimum eine Null an die andere zu reihen -
jede Beobachtung trägt dennoch zum Gelingen des Ganzen bei. Denn jetzt
kann die VdS-Fachgruppe Sonne eine Sonnenflecken-Aktivitätskurve vorweisen,
die in ihrer Genauigkeit der der Profis ebenbürtig und außerdem einmalig
in der Geschichte der Amateursonnenbeobachtung ist.
"Warum folgt auf die 25. Tagung 2001 die Jubiläumstagung ´25
Jahre SONNE´ 2002?" ist sicher vielen eine Frage wert. Wir haben
uns nicht verzählt! Im Gründungsjahr unseres Mitteilungsblattes 1977
trafen sich die Sonnenbeobachter zweimal, in Berlin vom 1.-3. April (eine Woche
vor Ostern) und in Königswinter vom 3.-5. Juni (eine Woche nach Pfingsten).
Erst seit der 3. Sonnentagung in Hamburg vom 4.-7. Mai 1978 besteht der Himmelfahrtstermin.
Und an eben diesem Himmelfahrtswochenende anno 2002 soll "25 Jahre SONNE"
zünftig gefeiert werden. Wir haben in Bollmannsruh, 40 km westlich Berlins,
eine Tagungsstätte gemietet, in der wir sowohl unsere Zusammenkünfte
gestalten als auch wohnen können. Bollmannsruh ist eine Freizeiteinrichtung,
direkt am Wasser gelegen - schöner können die Voraussetzungen für
einen Grillabend nicht sein: der Samstag Abend des 11. Mai wird ganz im Zeichen
der offiziellen Übergabe der Kontaktadresse stehen, wir haben einige "alte
Hasen" eingeladen, wollen Rückschau halten, aber auch den Blick nach
vorn richten. Später dann werden wir den Blick ins Glas richten und das
Erreichte tüchtig feiern.
Danach heißt die Kontaktadresse der VdS-Fachgruppe Sonne:
Steffen Janke
Sternfreunde im FEZ e.V.
An der Wuhlheide 197
12459 Berlin.
Die SONNE-Redaktion wünscht alles Gute für 2002, viele klare Beobachtungstage
und: Herzlich Willkommen nach Bollmannsruh zur Superfête "25 Jahre
SONNE"!
|
Jahr |
Anzahl Beobach- tungen |
Anzahl Beobach-ter |
veröffentlicht in SONNE |
Auswerter |
|
1981 |
6076 |
102 |
21, S. 33 |
Reinsch
Piehler |
|
20 Jahre |
S 285.247 |
Ø 124 |
Tabelle 1
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Letzte Änderung: 2001-12-07 13:25 |