Maximum-Report  X / XI

Andreas Zunker


Abb. 1 zeigt die Relativzahlen SONNE-Netz bis Oktober 2001. Die starke Aktivität der letzten Monate läßt auf ein deutliches Nebenmaximum im Jahr 2001 hoffen, ähnlich wie in den beiden vergangenen Zyklen. Die geglättete Kurve flacht auch schon merklich ab, ein lokales Minimum im Februar 2001 ist nun fast sicher!


Abb. 1: Monatsmittel der Relativzahlen (Re) des SONNE-Netzes 1996-2001, geglättet nach der P17-Methode (ReP17)

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim SIDC, das im Juli seine Vorhersage-Strategie geändert hat und jetzt auch nach seiner "Combined Method“ fallende R13-Monatsmittel vorhersagt. Das SIDC bestätigt damit also zumindest indirekt, daß das Maximum des 23. Zyklus‘ mit Ri(R13)=120,8 im April 2000 eintrat! Für Juli 2001 wird allerdings mit der „Standard Method“ ein Nebenmaximum mit Ri=114 vorhergesagt.

Im Vergleich mit vergangenen Zyklen bietet sich auch in dieser Hinsicht immer noch Zyklus 17 an (Abb. 2).
Dieser Meinung ist auch Patrick McIntosh (NOAA), in [1]. Allerdings favorisiert er noch mehr den 11. Zyklus, insbesondere nach dem Maximum. Er sieht hier Parallelen zum aktuellen Zyklus dahingehend, daß Zyklus 11 mehrere schwache Zyklen folgten (Minimum des 80jährigen Gleissberg-Zyklus', A.Z.). So sollen nun 30 Jahre mit ebenfalls eher schwachen Zyklen folgen. Die Relativzahl soll sich bis Mai 2002 um etwa 100 bewegen und dann wie in den vergangenen Zyklen stark abfallen. Auch diesmal soll es wieder ein „Abschlußfeuerwerk“ starker Flare-Aktivität geben, etwa im Zeitraum Februar bis April 2002. Das sollte man also nochmal genießen ...

Vielleicht erleb(t)en wir dieses Feuerwerk gerade? Am 6.11.2001 gab es ein außergewöhnlich intensives Flare und einen Koronalen Materieauswurf (KMA), der auf der Erde bis in niedridrige geogr. Breiten (z.B. Florida) intensive Polarlichter hervorrief. Momentan zieht eine große Fleckengruppe über die Sonnenscheibe und ist sicherlich auch noch für einige Überraschungen gut ...

Am 25.10.01 schreibt Patrick McIntosh [2]: „Die Oktober-Monatsmittel der Relativzahlen werden ähnlich hoch sein wie im September. Damit wird eine Phase hoher Aktivität fortgesetzt, wie sie so lange nach dem Maximum und der Umpolung des solaren Dipolfeldes ihresgleichen sucht. Nur Zyklus 9 brachte 1849 einen so späten „Peak“ hervor.“
Das ist nicht ganz richtig, zumindest wenn man die geglätteten (P17-) Monatsmittel von Zyklen mit ausgeprägtem Nebenmaximum betrachtet (Abb. 2).


Abb. 2: Int. Relativzahlen Ri (Zürich/SIDC), Monatsmittel, P17-geglättet; Zyklen 9, 17, 18, 20, 22, 23

Im Gegensatz zu 11 Monaten bei Zyklus 9 lagen die beiden Maxima bei Zyklus 22 sogar 21 Monate auseinander, das ist mehr als die Hälfte seiner (allerdings sehr kurzen) Anstiegszeit von 38 Monaten. Bezüglich der Höhe des Nebenmaximums im Verhältnis zum Hauptmaximum wird Zyklus 9 (97,9%) von Zyklus 20 (98,3%) übertroffen. Eine ausführliche Analyse ist für SONNE 101 geplant.

Der Verlauf des 23. Zyklus‘ stimmt auch von den Proportionen her immer noch gut mit dem 17. Zyklus überein. Bleibt es dabei, ist mit dem Nebenmaximum im Sommer 2001 bei ca. Ri=110 zu rechnen. Dies paßt auch recht gut zur aktuellen SM-Prognose des SIDC (s.o.).

Der 9. Zyklus (1843-1856, Max. 1847) ist auch aus historischer Sicht interessant. 1843 hatte S.H. Schwabe, damals einer der wenigen Amateur-Sonnenbeobachter, seine Entdeckung des 11-jährigen Sonnenfleckenzyklus' veröffentlicht, die auf seinen Beobachtungen der Zyklen 7 und 8 beruhte. Somit war Zyklus 9 wohl der erste, der von einigen Fachleuten bewußt als solcher wahrgenommen wurde!
Im Maximum 1847 beobachtete der Astronom R. Wolf eine große Sonnenfleckengruppe. Im Jahre 1848 führte er zur Überprüfung von Schwabes Entdeckung die (Wolf’sche) Sonnenfleckenrelativzahl Re ein, auf der alle hier gezeigten Untersuchungen basieren.

Quellen:
1: P. McIntosh: SolarCycle Status, 14.09.01, E-Mail
2: P. McIntosh: Solar Alert, 25.10.01, E-Mail
 
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Letzte Änderung: 2001-12-10